Mit dem Wohnmobil in Frankreich

Burgund, Provence, Petit Camargue, Auvergne

 
En Route

Der Start zu unserer Frankreichtour 2016 verlief nach einer kleinen „Feindberührung“ des Wohnmobils mit dem Glasdach unseres Carport zunächst etwas holprig. Aber dieses kleine Mißgeschick sollte die Aussichten auf zwei schöne, unbeschwerte Wochen nicht trüben.

Gegen 9:00 Uhr konnten wir von Wehr aus starten und erreichten nach gut 1,5 Stunden bei strahlendem Sonnenschein Wasserbillig (Luxemburg) um unsere Sprit- und Zigarettenvorräte für die Reise aufzufüllen.

Über die mautfreie Autobahn kamen wir durch Luxemburg noch zügig voran. Doch kaum in Frankreich, verschlechterte sich das Wetter drastisch und für die nächsten paar hundert Kilometer begleiteten uns teils heftige Regen- und Graupelschauer. In Toul, kurz hinter Nancy war dann für uns das kostenlose Autobahnvergnügen zu Ende und um die für Wohnmobile happigen Autobahngebühren in Frankreich zu vermeiden ging es über National- und Departmentstraßen weiter Richtung Süden. Zwar bremsten uns die unzähligen Kreisverkehre ständig etwas ein, dafür bekamen wir aber einige schöne und interessante Dörfchen zu sehen. Die Straßen sind durchweg gut ausgebaut und relativ wenig befahren. Die meisten Landstraßen sind für den LKW-Durchgangsverkehr über 7,5 t gesperrt so dass sich der LKW-Verkehr ganz überwiegend  auf den Autobahnen abspielt und uns freie Fahrt durch eine überwiegend landwirtschaftlich geprägte Landschaft bescherte. Dieser verkehrslenkenden Maßnahme scheint es auch zu verdanken zu sein, dass wir auf der ganzen Strecke kein einziges in Betrieb befindliches Relais des Routiers entdecken und genießen konnten, auf das wir uns so gefreut hatten.

Einige Kilometer vor Dijon grüßte uns schon aus der Ferne die imposante Festungsanlage von Langres, der Heimat des von Edith bevorzugten Langres Käses.

 

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Langres

Weiter ging es dann auf der kostenlosen Stadtautobahn um Dijon herum nach Beaune, der ersten Station unserer Reise. Dieser alten und sehr schönen wie interessanten Stadt, der Hauptstadt des Weins und des Cassis in Burgund, widmeten wir einen ganzen Vormittag.

 

     
Beaune

 

Auf dem stadtnahen Campingplatz von Beaune (in der Stadt ausgeschildert) waren wir bestens untergebracht. Der Empfang an der Rezeption war überaus herzlich und professionell. Rasch waren wir mit allen für die Nutzung des Platzes erforderlichen Informationen in deutscher Sprache versorgt. Die Sanitäreinrichtungen waren technisch auf dem neuesten Stand und piksauber. Alles vom Feinsten.

Am Nachmittag durchstreiften wir dann die wunderschönen, alten Weindörfchen entlang der Route des Grands Crues, wo u.a.  die besten Rotweine Frankreichs wenn nicht gar der Welt heranreifen. Die nur ca. 50 cm hohen Rebstöcke lassen erahnen, mit welchen körperlichen Anstrengungen die Weinlese hier verbunden sein muss. Sicherlich abgesehen von der hohen Qualität mit ein Grund, warum diese Weine nicht für kleines Geld zu haben sind.

 


An der Route des Grands Crues

Nach diesem kurzen Aufenthalt in Beaune steuerten wir unser nächstes Ziel Avignon an. So richtig gut hat es Petrus an diesem Reisetag nicht mit uns gemeint. Nach wenigen Kilometern Richtung Süden verdunkelte sich der Himmel und vor Lyon regnete es zeitweise wie aus Kübeln. In Lyon nahmen wir erneut die mautfreie Stadtumfahrung über die Autobahn und dennoch ging es wegen des dichten Verkehrs hier nur sehr zähflüssig voran. Vor der ersten Zahlstelle Richtung Marseille verließen wir die Autobahn wieder und es ging weiter störungsfrei und gemütlich über Land.

Am späten Nachmittag erreichten wir den Campingplatz in Avignon, auf einer Rhoneinsel direkt am Rhone Ufer gelegen. Der Platz liegt sehr schön mit seinem alten Baumbestand gegenüber der Altstadt.

 


Campingplatz Avignon

 

Die sanitären Anlagen sind zwar technisch schon lange nicht mehr auf der Höhe der Zeit, aber wenigstens sauber. Das alles war für uns kein Problem. Ein Problem aber war der heftige und kalte Mistralwind, der uns und unser Wohnmobil ganz schön kräftig durchschüttelte. Normalerweise bringt einen eine kostenlose Personenfähre von der Campingplatzinsel ans andere Rhone Ufer und so auch in die Altstadt. Wir machten uns auf den Weg zur etwa 1 km vom Campingplatz entfernten Anlegestelle. Aber die am gegenüberliegenden Ufer liegende Fähre machte an diesem Sonntag den 1. Mai keinerlei Anstalten, ihren Dienst zu versehen. Die Informationstafel am Anleger klärte uns schließlich auf, dass bei Starkwind die Fähre nicht geht. Solch einen Starkwindtag aber hatten wir wohl unglücklicherweise erwischt und so machten wir uns zu Fuß auf den Weg am Rhone Ufer entlang und an der vielbesungenen alten Brücke von Avignon vorbei  in die jetzt noch einmal ca. 3 km entfernte Stadt. Auf der Rhonebrücke entfaltete der Mistral ungehindert seine volle Kraft und wir mussten uns beide am Brückengeländer festhalten, um nicht auf die Straße oder gar in den Fluss geweht zu werden.

 


Avignon

Die Altstadt von Avignon selbst ist durch eine meterdicke Stadtmauer geschützt. Nur die höher gelegenen Teile der Altstadt mit dem Papstpalast sehen sich diesem Naturphänomen Mistral ungehindert ausgesetzt. Ungeachtet also der  ständigen Begleitung durch den Mistral genossen wir den Bummel durch die Altstadt mit seinem noch perfekt erhaltenen mittelalterlichen Sitz der Gegenpäpste. Natürlich hat der Mistral auch etwas Gutes gehabt, denn er trieb die dicken schwarzen Regenwolken so schnell vor sich her, dass sie keine Chance hatten, sich über unseren Köpfen auszuregnen.

Gekrönt wurde unser kleiner Stadtrundgang schließlich mit einem vorzüglichen Mittagessen (Fischsuppe und Lammkoteletts)  in der „Brasserie  Hotel de Ville“.

Am nächsten Tag dann steuerten wir unser nächstes Ziel Frontignan Plage am Mittelmeer an. Flamingos und ausgedehnte Wasserflächen im Landesinneren erinnerten uns daran, dass wir uns hier am westlichen Rand der Camargue befanden, die als "Petit Camargue" ausgeschildert war. Natürlich mussten wir zuvor noch den Hinterlassenschaften der Römer in Remoulains mit der Pont du Gard  unsere Aufwartung machen. Ein wirklich sehr imposantes Bauwerk (Weltkulturerbe) und eine ca. 2000 Jahre alte, technische Meisterleistung römischer Ingenieurskunst.

 


Remoulains, Pont du Gard

Zwar meinte der Mistral auch an diesem Tag noch nicht ganz seine Arbeit verrichtet zu haben, aber wenigstens schien ab da die Sonne von einem strahlend blauen Himmel. Durch die kleine Camargue  erreichten wir über Montpelliersalso am frühen Nachmittag unser Ziel, den 5 * Campingplatz "Tamaris" direkt am Meer gelegen. Hier genossen wir für zwei Tage den fast menschenleeren, feinen Sandstrand. Doch nicht nur das stellte unser Reisevergnügen dar.

 


Frontignan Plage

 

Einen halben Tag widmeten wir der wirklich sehenswerten alten Festungsstadt Aigues Mortes. Von hier aus startete König Ludwig der Fromme mit 13 Schiffen  den ersten Kreuzzug ins Heilige Land.

        
Aigues Mortes, ein lohnender Astecher auf dem Weg nach Süden

Nicht nur geschichtlich war der Ort für uns interessant. Abgesehen davon, dass der Ort mit seinen netten Cafe‘s und Restaurants an den vielen schönen Plätzchen wirklich ein mediterranes Lebensgefühl vermittelt,  gibt es viele kleine Geschäftchen, die regionale Spezialitäten aus der Camargue anbieten. Genau das, was Edith im Reiseführer als Einkaufsmöglichkeiten vorgeschlagen bekommen hatte fand sie hier und so haben wir uns entsprechend damit auch als Souvenir für unsere Lieben zuhause eingedeckt.

 

           
Mediterranes Lebensgefühl in Aigues Mortes

Nach zwei Tagen hieß es aber schon wieder Abschied nehmen vom Meer und diesem wirklich sehr schön gelegenen Campingplatz mit seiner ausgezeichneten Infrastruktur. Nach dem Frühstück kämpften wir uns kurz noch durch den dichten Verkehr von Montpellier und erreichten rasch die gebührenfreie Autobahn A 75 Richtung Clermont-Ferrand. Nur die Überfahrt über die berühmte Hängebrücke von Millau, der höchsten der Welt, unterbrach kurz das mautfreie Vergnügen (11,50 € für das Wohnmobil –Kategorie 2). Die Fahrt Richtung Norden führt durch die teils atemberaubende und bizarre Felsenlandschaft des Gebiets Herault mit seinem berühmten Wein.

 

     
Die höchste Hängebrück der Welt bei Millau und die Landschaft der Herault

 

Am frühen Nachmittag verließen wir die Autobahn bei Issoire und steuerten unser Ziel Puys de Domes in der Auvergne an. Die ersten 20 km Landstraße gaben keinerlei Hinweis darauf, was uns hier an herrlicher Landschaft erwartete. Am Ende des Lac du Chambon aber erwartete uns ein sehr schöner Campingplatz mit allem erdenklichen Komfort. Umrahmt wurde das Tal von den noch schneebedeckten Gipfeln der umliegenden Vulkanberge, die hier mit dem Puy des Sancy auf auf 1.886 m ansteigen.

 

  
Im Puys de Domes

Nach einer ruhigen und recht frischen Nacht machten wir dem Wintersport- und Kurbadeort Le Mont-Dore eine kurze Aufwartung. Mit unserem großen Wohnmobil fanden wir aber in dem ins enge Tal gequetschten Ort keine Parkmöglichkeit. Also ging es zurück über den Pass und über Murol weiter in das mittelalterliche, geschichtsträchtige Städtchen Bess. Hier konnten wir zentrumsnah parken und erkundeten den alten Ortskern zu Fuß. In einer Brasserie an einem netten Platz fanden wir draußen einen Tisch und ließen uns die lokalen Spezialitäten schmecken. Für Edith war das ein Fondue Nectaire (mit St. Nectaire Käse) und ich nahm allen Mut zusammen und wählte einen gefüllten Schafsmagen in einem Essigsud. Mit dieser Wahl errang ich bei der Bedienung allerhöchsten Respekt, als ich das Ganze am Ende auch noch gebührend lobte. Sie gab mir zu verstehen, dass sie so etwas niemals im Leben essen würde, aber sie freute sich mit mir, dass es geschmeckt hat.


Mittagessen in Bess

Am nächsten Tag ging es dann wieder ein Stückchen weiter in Richtung Heimat. Auf einen weiteren Tag Auvergne verzichteten wir, da sich zum einen das Wetter etwas verschlechterte und zum anderen von Chambon sur Lac aus weitere sehenswerte Orte per Tagesausflug nicht zu erreichen waren. Nur Landschaft, das war selbst uns etwas zu wenig für einen ganzen Tag. Wir waren uns einig, diesen einen Tag hätten wir besser am Mittelmeer dran gehängt. Aber buchen wir das mal unter den Punkt mangelnde Reiseerfahrung. Der Weg bis Clermont-Ferrand führte uns durch sehr dünn besiedelte Landschaften, geprägt von den vielen, hoch aufragenden Vulkankegeln im Hintergrund.

Über Vichy ging unsere Reise weiter auf den wenig befahrenen Überlandstraßen bis unser Navi uns  ca. 20 km vor Beaune auf eine sehr kleine Straße direkt entlang des malerischen und sehr beschaulichen „Canal du Bourgogne“ führte.

 


Schleusenmanöver auf dem Canal du Bourgogne

 

In Beaune angekommen hieß es zunächst einmal wieder ein wenig einkaufen, damit wir übers Wochenende kamen. Gegen 15:00 Uhr erreichten wir wieder den uns von der Hinfahrt bereits bekannten und liebgewordenen Campingplatz. Wir hatten Glück, auf dem jetzt gut besuchten Platz noch einen Standplatz für 3 Nächte zu bekommen. Am Sonntag war Entspannung pur in einer von einem strahlend blauen, wolkenlosen Himmel scheinenden Sonne angesagt.

Für Montag war eigentlich noch ein kleiner Stadtbummel zu Fuß in die ca. 1,5 km entfernte Altstadt angesagt. Dann sollte es wieder zurück Richtung Heimat gehen. Doch es kam wie so oft im Leben anders.

In der Nacht setzte kräftiger Regen ein und trommelte uns aus dem Schlaf. Zugegeben, in solch einem Wohnmobil hört sich der Regen viel schlimmer an, als er draußen tatsächlich ist. Aber dennoch, es war schon ziemlich heftig und dem morgengrauen Himmel nach zu urteilen war ein Ende des nassen Segens zunächst nicht in Sicht. So kamen bei uns beiden ernsthafte Gedanken auf, die Reise um diesen Regentag abzukürzen. Ausgesprochen hat diesen Gedanken aber keiner von uns beiden.

Unsere Vorräte reichten gut für ein ausgiebiges Frühstück und tatsächlich, so gegen 9.00 Uhr verstummte allmählich das Trommelfeuer auf dem Dach unseres Wohnmobils. Anstatt aber bei dieser unsicheren Wetterlage zu Fuß in die Altstadt zu laufen beschlossen wir, noch einmal die Routes des Grand Crues abzureisen. Endstation dieser gemütlichen Fahrt durch die zauberhaften Weinörtchen war dann als einer der Höhepunkte dieses Tages das Schloss Vougeot, der Sitz der Burgundischen Weinbruderschaft und wie die Orte rund um Beaune und Dijon an der Route des Grands Crues ein Mekka für Liebhaber erlesener Weine.

 

 
Schloss Vaugeot

Die zweite Hälfte des Tages waren aber leider dann wieder vom Regen geprägt. Uns schien es, als würde der Himmel Burgunds ob unseres bevorstehenden Abschieds in Tränen ausbrechen. Und so verbrachten wir den Rest des Tages in unserem fahrbaren Zuhause und ließen es uns hier bei einem guten Essen und einer guten Flasche Wein gut gehen.


Nasser Abschied von Frankreich

Nach einer weiteren durchregneten Nacht brachen wir also am frühen Dienstag in Richtung Heimat auf.

 Doch schon nach einer guten halben Stunde war Schluss mit lustig und wir steckten mitten im Berufsverkehr von Dijon fest. Nach einer guten halben Stunde und nur einem Kilometer weiter auf der Stadtautobahn erspähten wir einen Wegweiser auf die (gebührenpflichtige) Autobahn nach Nancy. Da wir beide Weihnachten Zuhause und nicht in Dijon verbringen wollten nahmen wir kurzerhand diese Autobahn. Durch strömenden Regen spulten wir auf der hauptsächlich von LKW’s genutzten und ansonsten wenig befahrenen Autobahn die reichlich 200 km bis zur letzten Zahlstelle bei Toul ab und waren positiv überrascht, dass hier für unser 3,5 t Wohnmobil nur 21,50 € fällig waren. Die waren die reichliche Zeit- und Spritersparnis allemal wert, wenn sie natürlich im Gegensatz zur Fahrt über Landstraßen wenig Sehenswertes zu bieten hatte.

Die Grenze zwischen Luxemburg und Frankreich scheint tatsächlich wie auf der Hinreise eine Wetterscheide zu sein, denn hier hörte der französische Dauerregen schlagartig auf und die Sonne konnte sich durchsetzen.

Der Rest der Reise ist schnell erzählt. Letzter Tankstop in Wasserbillig und dann über die A 1 und A 48 zurück nach Wehr, wo wir am Nachmittag noch das Wohnmobil entladen konnten.  Am nächsten Tag dann das Großreinemachen und am Nachmittag bekam unser Vermieter das Fahrzeug in einwandfreiem Zustand wieder zurück.

Im Jahr 1993 waren wir zuletzt mit einem Wohnmobil in Südafrika unterwegs und hatten dort zwei Wochen lang die Gardenroute bereist. Diese wunderbare Reiseerfahrung wurde nun nach 23 Jahren wieder aufgefrischt und macht uns Lust auf Mehr. Dabei bleibt Frankreich als Reiseland unsere erste Wahl. Dieses Land hat alles zwischen Bretagne und Mittelmeer, zwischen Seealpen und Atlantikküste. Besonders per Wohnmobil ist es immer eine Reise wert.

 

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