Südafrika 2015
 

Ein neuer Morgen an der Walker Bay in Kleinbaai
 
Nachdem unsere Ärzte grünes Licht gegeben haben, machten wir uns auch in diesem Jahr für drei Wochen Richtung Kap der guten Hoffnung, an das für uns schönste Ende der Welt auf.

Condor war die einzige Fluglinie, die wieder zu akzeptablen Preisen um diese Jahreszeit einen Direktflug von Frankfurt nach Kapstadt angeboten hat. Allerdings darf man zu diesem relativ günstigen Preis auch keine allzu hohen Ansprüche an Komfort und Service an diesen ca. 12 stündigen Nachtflug stellen. Aber wie alles geht auch ein solcher Flug vorbei.

Unsere Autovermietung Budget hielt direkt am Flughafen einen relativ neuen Nissan Almera mit nur ca. 5000 km auf dem Tacho für uns bereit. Nach zwei Tagen Eingewöhnungszeit in Muizenberg ging es erneut auf die Reise nach Hermanus und Kleinbaai. In Kleinbaai verbrachten wir dann eine ganze Woche alleine im wunderschön gelegenen Haus in der ersten Reihe am Meer. Von hier aus unternahmen wir jeden Tag kleinere Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung.

Danach stand wieder Hermanus und Muizenberg im Wechsel auf unserem Programm, das wir von Tag zu Tag neu festlegten. Viele interessante Ecken und Regionen rund um Kapstadt haben wir neu entdeckt. Vor allen Dingen die wunderschönen Weingüter in der Region um Paarl und Stellenbosh haben es uns in diesem Jahr besonders angetan.

Wie schon in den vergangenen Jahren war auch in diesem Jahr der Ausflug ans Kap der guten Hoffnung ein Highlight dieser Reise. Anders als in den Jahren zuvor sahen wir uns allerdings mit einer Art Völkerwanderung zum Kappunkt konfrontiert. Etwas abseits von diesem Touristenmagneten aber fanden wir uns in der gewohnten Abgeschiedenheit einsame Küstenabschnitte und Strände in diesem wunderschönen "Nationalpark Kap der Guten Hoffnung" wieder. Dieses Jahr ist mir aufgefallen, dass Wildtiere in freier Natur nur noch sehr selten anzutreffen sind. Das mag nicht zuletzt mit dem deutlich verstärkten Fahrzeugverkehr um das Kap zusammen hängen. Mit viel Glück haben wir aber in Hermanus eine Blue Crane Familie zu Gesicht bekommen und am Kappunkt sind wir tatsächlich noch frei lebenden Straußen und einer großen Pavianherde begegnet.

Nach wie vor ist das Western Cape auch um diese Jahreszeit ein lohnendes Reiseziel.  Der ausklingende südafrikanische Sommer bescherte uns durchweg angenehme Tagestemperaturen um die 25 ° C, ab und an allerdings begleitet von heftigen Winden an der Küste. Im Landesinneren, etwa in der Weinregion um Paarl,wo dieser Wind fehlt, klettert das Thermometer dann aber auch schnell auf über 30 ° C.

Die Sicherheitslage in der Kapregion ist nach wie vor akzeptabel, wenn man sich an die allgemeinen wie auch die ansonsten für Südafrika üblichen Sicherheitsregeln hält. Diese zusammen mit den täglichen Zeitungsberichten hielten uns allerdings in diesem Jahr davon ab, die Innenstadt von Kapstadt etwa mit dem Vorortzug zu besuchen. Die in den Zügen verstarkten Sicherheitsmaßnahmen haben wohl nicht zu einer entscheidenden Verbesserung der Sicherheitslage im ÖPN geführt, wie man fast täglich in der lokalen Presse lesen konnte. In der beherrschten zeitweise Berichte über brutale Raubüberfälle z.B. auf Geschäfte in vermeintlich gut gesicherten Malls oder auf Mountainbiker und Jogger rund um den Tafelberg die Schlagzeilen.

Auf dem flachen Lande außerhalb der Metropole Kapstadts scheint die Sicherheit allerdings kein Problem zu sein.

Ein Problem größeren Ausmaßes war in diesem Jahr die Stromversorgung durch den staatlichen Monopolkonzern Escom. Täglich stundenlange Stromausfälle waren wegen der wohl permanenten Überlastung des Stromnetzes und unzureichender Stromerzeugungskapazitäten an der Tagesordnung. Laut Pressse eine Erscheinung, die nicht nur für die privaten Haushalte problematisch war, sondern mehr noch für alle Bereiche der Industrie und Wirtschaft. Laut der ungewöhnlich regierungskritischen Presse liegt der Grund dafür unter anderem in der verfehlten Energiepolitik der Regierung, die es in den letzten Jahrzehnten versäumt haben soll, die Energieversorgung auf dem in den 90-er Jahren hohen Niveau zu stabilisieren und die notwendigen Unterhaltungs- und Anpassungsmaßnahmen hinsichtlich der Stromversorgung durchzuführen. Wir haben uns zu diesem Thema einfach nur immer wieder klar gemacht, wir sind hier eben in Afrika.

Uns ist erneut besonders aufgefallen, wie freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend wir allenthalben vom Servicepersonal behandelt wurden, sei es auf der Bank, im Supermarkt oder auch im Restaurant. Gegenüber der bei uns doch weit verbreiteten Servicewüste eine wirklich sehr angenehme Erscheinung, die wir nicht nur registriert, sondern auch genossen haben.

Weniger angenehm war für uns beide, die wir leidenschaftlich gerne Zigaretten rauchen die Gnadenlosigkeit, mit der in Südafrika die Antiraucherkampagne praktiziert wird. In den Häsudern, in denen wir waren galt ein striktes Rauchverbot. Dank des guten Wetters kamen wir damit allerdings ganz gut zurecht und haben das Rauchen ins Freie verlegt. Es gibt keinerlei Möglichkeiten in Restaurants zu rauchen. Raucherbereiche in Gaststätten oder Restaurants, wie es sie teilweise noch bei uns gibt, Fehlanzeige. Und selbst in den Außenbereichen von Restaurants und Cafe's ist Rauchen ganz überwiegend verboten. Nur in ganz wenigen Außnahmeetablissements werden Raucher in die letzten Eckchen des Außenbereichs verbannt. Und dabei hätte Südafrika mit dem fast aussichtslos erscheinendenden Kampf zum Beispiel gegen Aids sicher gravierendere Probleme zu lösen. Zwischenzeitlich wird in der Regierung gar darüber diskutiert, das Rauchen in der Öfffentlichkeit komplett zu verbieten. Für uns würde das sicherlich das Ende des Reiseziels Südafrika bedeuten.

Überrascht war ich auch, wie kritisch die Politik der schwarzen Regierung in den Printmedien begleitet wird und mit welcher Schärfe sie teilweise auch kritisiert wird. Für Kritik an der Poltitik der Regierung scheint es zahlreiche Felder zu geben, in denen der Regierung ganz unverhohlen Totalversagen vorgeworfen wird. So lastet man nicht nur ganz pointiert die Engpässe in der Stromversorgung der verfehlten Energiepolitik der Regierung an, nein, großes Thema in der Presse ist auch der aussichtslos erscheinende tägliche Kampf gegen die allgemeine Straßenkriminalität (Dienstahl, Raub, Vergewaltigung, Einbrüche) bis hin zur Korruption, die bis in die höchsten politischen Kreise und die Führung der Polizei Alltag zu sein scheint.

Einen sehr breiten Raum in der Presse nahm aktuell auch der Skandal anlässlich der jährlichen Rede des Präsidenten zur Lage der Nation ein. Die lautstarken Proteste der Opposition im Parlament wurden kurzerhand damit unterbunden, dass die Polizei die Oppositionsabgeodneten gewaltsam aus dem Parlament entfernt hat. Der damit einhergehende Angriff auf die parlamentarische Demokratie, von dem sich die Regierung vergeblich versuchte zu distanzieren, war lange beherrschendes Thema in der Presse. Der Versuch der Regierung, dies als angeblich eigenmächtiges Handeln der Polizei abzutun blieb wenig überzeugend und unglaubwürdig.

Die Kluft zwischen arm und reich, die sich auch über 20 Jahre nach Ende der Apartheid an der Hautfarbe festmachen lässt, ist nach wie vor gewaltig. Das heißt aber auch nicht, dass arm gleich unglücklich und reich gleich glücklich bedeutet. Dabei erstaunt es mich immer wieder, mit welcher Gelassenheit und Geduld die Südafrikaner insgesamt mit dieser Tatsache umgehen. Wie überhaupt auch wir nach kürzester Zeit von diesem in jeder Hinsicht entschleunigt, gelassenen Leben im Alltag ergriffen und angesteckt wurden.

Alles in allem kamen wir nach diesen drei Wochen am Kap wunderbar erholt und von der Sonne verwöhnt in unsere nach wie vor hektische, vom Winterblues dominierte Heimat zurück.

Ende Januar drei Wochen am Kap, ein Erlebnis das wir über all die Jahre seit 1993 genossen haben und einfach nicht missen möchten. Und auch unsere Gastgeber hoffen schon jetzt wieder darauf, uns noch möglichst oft ihre Gastfreundschaft angedeihen lassen zu können.

Aktuell: Die Brandkatastrophe von Muizenberg 2015
Wenige Tage nach unserer Abreise brach in der Nacht auf den 2. März 2015 gegen 2.00 Uhr oberhalb von Muizenberg das größte Feuer in der Geschichte des Ortes aus. Der Brandherd lag jenseits der Straße "Boysdrive", die nur ca. 50 m oberhalb unseres Urlaubsdomizils verläuft.

Das Feuer breitete sich aufgrund des exrem starken Südwestwindes rasend schnell bis hinüber in das ca. 10 und 20 km Luftlinie entfernte Noordhoek und Houtbay aus. Über 5000 ha Wald und Finebosh sowie einige Häuser wurden ein Raub der Flammen. Zahlreiche Häuser in Noordhoek und Silvermine mussten evakuiert werden. Unter dem Einsatz von über 200 Feuerwehrleuten und zahlreicher Löschflugzeuge konnte das Feuer unter Kontrolle gebracht werden.

Muizenberg selbst blieb wohl aufgrund der für den Ort günstigen Windrichtung von dem Feuer verschont.
 
 
Unsere Reiseeindrücke in Bildern
 
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Auf Tour durch die Provinz Western Cape