USA

30 Tage mit dem Greyhound

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Mit dem Greyhound durch USA New York East Side at night
   
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Freiheitsstatue New York Pittsburgh
   
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Chicago, Sears Tower Skyline in Chicago
   
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Bisons in Oklahoma Dallas
   

Es war 1980 als ich meinen Traum erfüllen konnte. Nach hartem Studium und Referendarzeit nebst Examina endlich einmal eine große Reise machen. Allerdings stand ich zu diesem Zeitpunkt bereits in Lohn und Brot, so dass meine zeitlichen Möglichkeiten bereits begrenzt waren. Einen Monat Urlaub hatte ich mir aufgespart, als ich im April den Jumbo von Frankfurt nach New York bestieg. Big Apple widmete ich gleich mehrere Tage und ich war begeistert. Die ganze Welt auf kleinem Raum, Afrika und Mittelamerika in der Bronx, Chinatown, little Italy. little Greece, Germantown. Nur wenige Blocks weiter und man war auf einem anderen Kontinent oder in einem anderen Land. 

Meine damalige Beratungsresistenz hätte es um ein Haar mit sich gebracht, dass ich auf meinem ersten nächtlichen Spaziergang nach downtown Manhattan Opfer eines Überfalls geworden wäre. Der Tankwart, den ich zuvor nach dem Weg zur Südspitze Manhattans gefragt hatte, schüttelte bereits unverständig den Kopf, als ich ihm meinen Plan offenbarte, morgens um 4 Uhr durch Manhattans Nebenstraßen zu schlendern. Und sie haben auf mich gewartet, fünf schwarze Burschen, die es sich auf der anderen Straßenseite auf dem Boden gemütlich gemacht hatten. Sie sahen mich mutterseelenalleine daherkommen, unverkennbar als Tourist mit dem Fotoapparat über der Schulter. Nullkommanichts sah ich mich von Ihnen umringt. Dann lief die Prozedur ab, genau wie sie Sabine Lietzmann von der FAZ in Ihrem Reisebuch über NY beschrieben hatte.

Scheinbar belanglose Fragen nach dem Weg, einer Zigarette und schließlich nach Kleingeld für die U-Bahn hätten mich veranlassen sollen, nach meinem Geldbeutel oder in die Tasche zu greifen. Das Herz schlug mir bis zum Hals und ich log, ich hätte keine Zeit, müsse zur Arbeit und beschleunigte meine Schritte. Die fünf aber ließen sich einfach nicht abhängen.

Dann kam mein Schutzengel in Form eines Streifenwagens um die Ecke. Er verlangsamte seine Fahrt und ich war schon drauf und dran, ihn anzuhalten und ihn zu bitten, mich mitzunehmen. Da waren die fünf aber auch schon weg, wie vom Erdboden verschluckt, keiner mehr da. Ich lenkte meinen Weg sofort in Richtung der großen, hell beleuchteten Transversalen und im erstbesten Café erholte ich mich bei einem miesem Maxwell und einer "Gaulloises sans filtre" von dem Schreck.

Das Fremdenverkehrsbüro New Yorks lag damals in einer Polizeistation auf der 5 th. Avenue. Dorthin machte ich mich also auf, um mir Informationen über diese Stadt zu besorgen. Tatsächlich, eine Hälfte des Raumes war Polizeistation, die andere Hälfte war vollgestellt mit Regalen für Broschüren und Prospektmaterial. Das Büro selbst war nicht besetzt und der Wachhabende empfahl mir, mich ruhig zu bedienen. Während ich so stöberte entstand plötzlich helle Aufregung. Ein Schwarzer Mann stürzte herein und schrie lauthals :"He shot me, he shot me". Er schien aber unverletzt. Ich sah mich im Nu in einen dieser amerikanischen Polizeifilme versetzt. Der Wachhabende warf seinen Revolver nebst Schulterhalfter um und stürzte vor die Tür, wo ein gelbes Taxi mit quietschenden Reifen davonbrauste.

Die Vernehmung ergab, dass der Schwarze Mann mit dem Taxi gefahren war, aber am Ende den Fahrpreis nicht zahlen konnte. Der Taxifahrer fuhr, dann ohne anzuhalten, vor das Polizeirevier. Dort hielt er an und gab einen Schuss auf seinen Fahrgast ab, der fluchtartig das Taxi verließ und sein Heil bei der Polizei suchte und offensichtlich fand. Für den entflohenen Taxifahrer war damit der Fall erledigt. Für die Polizei offensichtlich auch. Nichts passiert. New York, eine wunderbare, aufregende Stadt. Kulinarische Höhepunkte erlebte ich in den Garküchen von Chinatown, wo knusprig braune Pekingenten in den Fenstern baumelten und zum Essen einluden.

Von NY ging es dann per Greyhound über Pittsburgh, Chicago, Washington DC, Oklahoma City nach Dallas (Texas) und anschließend non stop zurück nach NY. Die Busse sind bequem und auf dem Land auch nicht allzu voll. Sie ersetzen die Eisenbahnen und verkehren mit einer Pünktlichkeit, die der Bundesbahn heutzutage gut anstehen würde. Diese Art zu reisen hat gegenüber dem sonst in USA üblichen Fliegen den Vorteil, dass man sehr viel von Land und Leuten mitbekommt. Amerikaner sind Fremden gegenüber ganz überwiegend sehr aufgeschlossen, kommunikativ bis neugierig. Irgendwie haben die meisten schon mal etwas von Deutschland gehört, gesehen, oft als Soldat, oder über seine Vorfahren irgendeine Beziehung zu Deutschland, das  ansonsten Heidelberg, Oktoberfest und Rhine River für die meisten von ihnen ist.

In den USA habe ich zum ersten Mal festgestellt, dass wir in Europa in den Augen der Amerikaner allenfalls am Rande wahrgenommen werden. Aus europäischer Sicht bedeutende europäische Ereignisse waren der Presse und den großen Nachrichtensendern kaum der Erwähnung wert. Die USA über alles, und wenn es noch so belanglos aus meiner Sicht war. Die Schwerpunkte waren einfach anders gesetzt.

Die Reiseerfahrung und Weltläufigkeit der Amerikaner ist eher beschränkt. Damit korrespondieren die Geographiekenntnisse. Wenn man sich denn schon mal irgendwohin bewegt, dann allenfalls zum Verwandtenbesuch in eine andere Gegend. Urlaubsreisen wie wir sie kennen sind eher die Ausnahme. Wenn man schon ins Ausland reist, dann doch eher organisiert nach dem Motto: Six countries in five days - time is money.

Ich hatte sehr viel erlebt auf dieser Reise, eine Menge interessanter und uninteressanter Leute kennen gelernt. Insgesamt ca. 13.000 km in 4 Wochen per Bus. Washington und Chicago haben mir besonders gut gefallen. Chicago mit seiner einzigartigen Hochhausarchitektur, in Washington der Heldenfriedhof und das Regierungsviertel sowie die verschiedenen Museen. Der Süden ist eine Sache für sich. Mein aus meiner Sicht allgemein brauchbares Englisch war in Texas absolut nichts mehr wert. Der Dialekt dort ist für uns unverständlich. Hände und Füße sind angesagt, wenn man verbal kommunizieren will.

Es gäbe noch viel zu erzählen. Später geht's vielleicht an dieser Stelle einmal weiter.

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