Ins Land der Franken fahren ..

 

Sehr sorgfältig hatten wir unsere diesjährige Mehrtagestour über Fronleichnam in die Fränkische Schweiz geplant. Leider ist Büb, der Dritte im Bunde, kurzfristig wegen eines Gipses, ausgerechnet  am Gasarm, ausgefallen. Der Rest also  traf sich am Fronleichnamstag pünktlich um 8 Uhr zum gemeinsamen Frühstück in Königsfeld.

 Nachdem wir uns reichlich für die erste Etappe gestärkt hatten, ließen wir pünktlich um 9.00 Uhr die Pferdchen in unseren Maschinen wiehern. Der Himmel hatte sich noch in unberechenbares Grau gehüllt, doch wir waren auch mit unseren neuen Ganzkörperkondomen darauf eingerichtet, dass es regnet und so  starteten wir zunächst ins Rheintal, der entfernt scheinenden Sonne entgegen. Den ersten unplanmäßigen Stop legten wir auf ein Zeichen von Frank bereits nach nur wenigen Kilometern kurz vor Bad Breisig ein. Er hatte seinen Führerschein zuhause liegen lassen. Da wir die Intensität der Kontrollen an der Tschechischen Grenze auch nicht halbwegs abschätzen konnten, entschloss sich Frank, noch einmal zurück nach Dedenbach zu fahren.

Um nicht unnötig in der mittlerweile voll aufgezogenen Sonne zu braten, verabredeten wir, dass Dirk und ich gemächlich in Richtung A 3 weiterrollen konnten, um fahrtwindgekühlt auf der ersten Raststätte in Montabaur auf Frank zu warten.

Nach einer guten halben Stunde hörten wir von der Autobahn her das Brüllen von Franks Honda Bol d’Or 900. Da musste doch der gute TÜV Mann bei der erst kürzlich absolvierten Vollabnahme dieser Maschine etwas überhört haben. Egal, nun war anscheinend erst einmal alles komplett und wir nahmen die ca. 160 km A 3 bei mäßigem Verkehr erwartungsvoll unter die Räder. Heftig rüttelte der Fahrtwind an unseren knitterfreien Carbonhüten und es wurde uns zunehmend klar, dass vor das Biker – Paradies "Spessart" unser Herrgott offensichtlich das Fegefeuer in Form der Autobahn 3 gesetzt hatte. An der Tankanlage Weißkirchen ließen wir die vielhundert Pferdchen erst einmal kräftig saufen, um dann nach wenigen Kilometern, kurz hinter Aschaffenburg die Spessartautobahn zu verlassen. Auf der sehr gut ausgebauten Bundesstraße 8 kurvten wir in zügiger Fahrt durch die dichten, kühlen Spessartwälder , völlig unbehelligt vom Autoverkehr und zeitweise in angenehmer Gesellschaft einiger Gleichgesinnter auf zwei Rädern bis  Marktheidenfeld. Von hier ging es weiter auf der B 8 nach Würzburg, wo uns die Leute vom Straßenrand her zuwinkten, als wir uns mit wehender Totenkopffahne auf dem Führungsfahrzeug hinunter ins Maintal gleiten ließen. Unbeabsichtigt landeten wir auf der rechten Mainseite stadtauswärts, so dass der geplante Fototermin in Gossmannsdorf ausfiel, das wir auf der linken Mainseite liegen lassen mussten.

In Kitzingen bogen wir ins richtige Frankenland ab und ließen uns erst einmal bis Mainbernheim treiben. Hier verließen wir die Ortsumgehung und liefen in das malerische, fränkische Fachwerk-Örtchen ein. Auf den letzten Drücker, bevor die Küche schloss, bekamen meine Mitstreiter noch einen wunderbaren fränkischen Sauerbraten mit Klößen und gemischtem Salat serviert. So gestärkt ging es weiter durch den menschen- und fahrzeugarmen Steigerwald mit seiner kurvenreichen und prächtig zu fahrenden Steigerwaldhöhenstraße über Höchstadt nach Forchheim. Hier war der nächste Tankstop angesagt, bevor wir in das Bikerparadies "Fränkische Schweiz" eintauchten.

Gegen 17.00 Uhr hatten wir schließlich auch die reichlich 300 km Frankenland abgespult und richteten uns in unserem Hauptquartier in der Schlehenmühle in Egloffstein/Schlehenmühle ein.

Der für diesen Abend ins Auge gefasste Grillabend unseres Wirtes Horst, übrigens auch ein leidenschaftlicher Biker und dazu noch Flieger (mit Schein!) fiel aber buchstäblich ins Wasser. Wir hatten das Glück und fanden in der gemütlichen kleinen Holzhütte neben dem Grillkamin ein trockenes Plätzchen, wo wir bei reichlich Tucher Bräu, Steaks, Würstchen, Schweinebauch und verschiedenen Salaten sowie köstlichem  fränkischem Schlehenbrand das Gewitter abwettern konnten.

 Nach der strammen Anreise sah unsere Planung für Freitag "Nahverkehr Fränkische Schweiz" vor. Auf sauber ausgebauten, kurvenreichen Sträßchen schraubten wir uns kreuz und quer durch diesen Landstrich, der auf Schritt und Tritt zum Verweilen einlud. Schlösser, Burgen, Höhlen und atemberaubende Felsformationen zogen uns in ihren Bann. Bei bewölktem Himmel, der aber auch über längere Zeit aufriss und das sprichwörtliche bayerische "Weiß - Himmelblau" freigab, genossen wir die Schönheit der "Fränkischen". Gegen Mittag mischten wir uns unauffällig bei Aufseß unter einen größeren Bikerkonvoi, der uns geradewegs ins legendäre "Kathi Bräu" schwemmte. In dem riesigen Biergarten unter gewaltigen Kastanien probierten wir u.a. fränkische Spezialitäten bei einem zünftigen Radlermaß, bevor wir es wieder in Richtung Schlehenmühle rollen ließen.

Die gebuchte Halbpension eröffnete uns die Möglichkeit, am Abend a la carte zu speisen, und so ließen wir uns kurzerhand zum Abschluss des Tages Fränkischen Sauer- und Rehbraten mit Klößen auftragen. Ein kulinarisches Gedicht der Familie Fett-Betzold.

Am Samstag waren wir und unsere geschundenen Hintern wieder bereit, eine größere Tour in Angriff zu nehmen. Der Tourenvorschlag "Böhmen" von Reifen-Wächter / Pottenstein stand auf dem Programm. Bei typisch  bayerisch eingefärbtem Himmel und angenehmen Temperaturen starteten wir Richtung Norden und wandten uns nach ca. 100 km gen Osten. Zielstrebig steuerten wir über ein kleines, wenig befahrenes Sträßchen das traditionsreiche Bad Marienbad an. Hier empfingen uns ausgedehnte Parkanlagen und eine Galerie liebevoll renovierter Jugendstilvillen. Da es bereits gegen Mittag war, lenkten wir nach genüsslicher Langsamfahrt über die Kurpromenade unsere Maschinen bergauf, vorbei am 5-Sterne Prachtpalast "Esplanade", wohl einem der ersten Häuser am Platze, in Richtung Karlsbad. In einem kleinen Dorf gleich hinter dem mondänen Bad Marienbad machten wir an einem kleinen aber fein renovierten Hotel mit Restaurant halt. Da der Himmel sich einmal mehr dunkelgrau zugezogen hatte beschlossen wir, die weitere Wetterentwicklung zunächst einmal bei einem guten böhmischen Mittagessen abzuwarten. Gemütlich genossen wir hier für relativ kleines Geld die böhmischen Köstlichkeiten der Region und warteten gelassen ab, bis der Himmel sich ausgeweint hatte. Dann ging unsere Fahrt weiter durch herrlich grüne, eng gewundene Täler und sanfte Höhen in Richtung Karlsbad. Ein absoluter Genuss für uns drei Biker, hier entlang zu schwingen. Freundlich winkte uns Dreien so manche Böhmin und so mancher Böhme zu. Wir fühlten uns einfach gut aufgehoben hier und genossen auf unsere Art Land und Leute, total entspannt.

Über Karlsbad hatten wir uns rasch einen Überblick verschafft. Es stand eigentlich in Nichts seiner Schwester Marienbad nach. Nun kehrten wir unsere Lenkergabeln wieder in Richtung Westen, denn die dahin rinnende Zeit und schwere Gewitterwolken im Südwesten erinnerten uns daran, dass wir doch noch ein gutes Stück von unserem Hauptquartier entfernt waren. Auf einer wenig aufregenden Strecke erreichten wir in zügiger Fahrt Cheb. Mit einer kleinen Stadtrundfahrt verschafften wir uns einen oberflächlichen Überblick über die an diesem Tag eher verschlafen wirkende Stadt.  Vor der Weiterfahrt deckten wir uns noch auf einem ausgedehnten Asiatenmarkt mit dem Nötigsten für die nächsten Tage zu kleinen Preisen ein. Dann rauschten wir im Formationsflug, nur noch unterbrochen von einem kurzen Tankstop, gen Schlehenmühle. Kaum hatten wir dort unsere Mopeds in der Scheune abgestellt, begann sich der Himmel auch wieder in Strömen zu ergießen. Ein Ritual, dessen Regelmäßigkeit wir nun schon am dritten Tag pünktlich um 19.00 Uhr beobachten konnten.

Nach einem gemütlichen Abendessen in unserer Pension war noch Zeit für ein paar kleine Kartenspielchen. Dann ging es ab in die Heja, während meine beiden Reisegefährten sich noch ihren "Hausaufgaben" hingaben.  Da sie eine Ferienwohnung mit TV innehatten, waren sie, was das angeht, sehr frei in der Gestaltung ihrer Abende. Mein, eher gesetzlich spartanisch eingerichtetes Zimmer hatte im Vergleich dazu keinerlei Unterhaltungswert und war wirklich nur zum Schlafen da.

Entsprechend unserer Planung, einem fahrerisch anspruchsvollen Tag einen etwas leichteren folgen zu lassen, sollte der Sonntag uns auf einer relativ kleinen Tour nach Vierzehnheiligen, Staffelstein und Bamberg führen. So schraubten wir uns durch enge Tälchen gen Norden über Hollfeld in Richtung unseres Tagesziels. Ca. 20 km vor dem berühmten Kloster Vierzehnheiligen aber zog sich der Himmel wieder zu und es begann zunächst leicht zu regnen. Da wir absolut keine Lust verspürten, uns durchweichen zu lassen, stellten wir unsere Bikes am nächstgelegenen "Altdeutschen Gasthof" unter schweren Kastanien ab und gesellten uns zu den Frühschöpplern des Dorfes, die sich an einem Tisch dem Schafskopf, am anderen verbal der Arbeit der vergangenen oder kommenden Woche hingaben. Nach etwa 1 Stunde beruhigte sich der Himmel wieder und wir konnten unsere Bemühungen aufgeben, mit dem altdeutschen Schafskopfsblatt den uns vertrauten Eifelpoker "Siwwe Schröhm" spielen zu wollen. 

Unsere Planung, uns in Vierzehnheiligen den Segen aller dort residierenden Heiligen abzuholen, mussten wir allerdings fallen lassen, denn der graue Himmel schien noch reichlich Nass in Reserve zu halten. So entschlossen wir uns, schon aus meteorologischen Gründen kein weiteres Risiko einzugehen und lenkten unsere Bikes in die grobe Richtung Heimat. Über Königsfeld / Bayern (Fototermin) gondelten wir auf herrlich kurvenreichen Strecken nach Ebermannstadt, das an diesem Sonntag einen Markt abhielt, der für uns eine neue Dose Lederfett gut war.

Gegen 16.00 Uhr fanden wir uns vorzeitig in der Schlehenmühle wieder und wie es die Regel wollte, sollte auch dieser Tag mit ein paar kräftigen Regenschauern zu Ende gehen. Bis zum Abendessen war Zeit für ein kleines Nickerchen und dafür, unsere Sachen für die Abreise am nächsten Tag grob zu packen. Am letzten Abend gaben wir uns in unserem Quartier dann aber noch einmal allem hin, was die fränkische Küche an Speziellem so für uns zu bieten hatte. Obatzta, blaue Zipfel und Kammsteak füllten rasch unsere Pellen und sorgten für ein gerüttelt Maß an Trägheit für den Rest des Abends. Bei ein paar lustigen Spielchen mit den uns vertrauten Karten klang auch dieser Abend gemütlich und mit viel Spaß und Gelächter aus. Schumi und Baricello hatten den großen Preis von Montreal gewonnen. Frankreich hat England bei der EM geputzt und so war auch in dieser Hinsicht die Welt für uns an diesem Abend einmal mehr in Ordnung. Meine Reisegefährten erledigten ihre restlichen Hausaufgaben in Sachen Tucher-Bräu, wollte doch der Wirt vor unserer Abreise sein Leergut wieder zurück haben. Ich begab mich zur Ruhe, wohl wissend, dass am nächsten Tag rd  400 km Asphaltbänder abzuspulen waren.

Am letzten Morgen erwartete uns Bilderbuchwetter mit strahlendem Sonnenschein. Nach dem letzten, üppigen Frühstück standen wir pünktlich gegen 9.00 Uhr, wie besprochen, abfahrbereit vor der Scheune der Schlehenmühle. Sanft trugen uns unsere Maschinen die enge Schlucht hinunter nach Schweinthal, von dort ging es in weiten Bögen über Pretzfeld auf die B 470 und dann ab, in Richtung Westen gen Forchheim.

                                            Rasch hatten wir uns dort durch den spätmorgendlich dichten Einkaufsverkehr gewuselt. Anschließend trugen uns unsere Rösser an touristischen Highlights wie Neustadt Aisch, Bad Windsheim vorbei auf gut ausgebauter Straße hinauf nach Rothenburg ob der Tauber. Nach der obligatorischen Zigarettenpause auf dem historischen Marktplatz und einem kurzen Blick auf die begehbare Stadtmauer stürzten wir uns wieder auf der romantischen Straße zu Tal. Creglingen, Bad Mergentheim und das liebliche Taubertal bis Wertheim waren laut Roadbook abzuarbeiten, was wir genussvoll erledigten.

So also fraßen unsere Gummis Kilometer um Kilometer Richtung Heimat. Nach Wertheim war der Main unser Weggefährte, der uns flussabwärts hautnah bis Miltenberg begleitete. Miltenberg, meine Geburtstadt, war eine Minute Gedenken an eine nicht immer unbeschwerte Kindheit wert, was wir mit einem kleinen Batavia -Rauchopfer am Sandstein - Brückenkopf  unterstrichen. Ab hier war Schluss mit beschaulichem Cruisen. Auf der größtenteils 4-spurigen Bundesstraße stürmten wir Richtung Aschaffenburg, wo uns die vielbefahrene A 3 erneut in Empfang nahm.

Der Rest ist schnell erzählt. Die Etappen zur dringend erforderlichen Erholung unserer leidgeprüften Hintern wurden immer kürzer und die Unruhe des Vordermanns auf dem Lederbrötchen des jeweiligen  Bikes kündigte in immer kürzeren Abständen schmerzbedingte Halts an.

Um 16.30 Uhr hatte auch ich es schließlich geschafft. Durchgerüttelt und mit verkrampftem Hinterteil rollte ich meinen Eisenhaufen in seine Königsfelder Garage. Schnell war die Maschine mit dem Notwendigsten abgepackt. Der Rest konnte warten. Kurz unter die Dusche, denn um 18.00 Uhr war im Königsfelder Dorfkrug noch einmal ein Treffen der "Schweizfahrer" zur obligatorischen Schlussbesprechung angesagt. Dazu hatte Frank schon die ersten Urlaubsbilder, auf CD ROM fixiert, mitgebracht. Bei ein paar richtig herben Bits ließen wir die in jeder Hinsicht gelungene Tour noch einmal Revue passieren. Am Rande erfuhren wir von den neugierigen Daheimgebliebenen die letzten Neuigkeiten aus der Pfarrei , insbesondere auch die Ergebnisse der Königsfelder Gemeinderatswahl. So ging an dieser Stelle eine wunderbare Tour zu Ende, die uns allen ein unvergessliches Erlebnis bleiben wird.

Unsere Mopeds haben uns an den 4 Tagen treu und zuverlässig über ca. 1. 400 Kilometer durch wunderschöne Landschaften getragen, wir haben lustige, nette und hilfsbereite Menschen kennen gelernt. Fränkische Küche und Keller waren für uns eine Offenbarung, insbesondere, weil hier eben auch das Preis - Leistungsverhältnis noch stimmt. Das alles ist ein Wiederkommen wert.

Ausdrücklicher Dank an dieser Stelle auch noch einmal an Familie Fett - Betzold, die uns hervorragend untergebracht und bewirtet hat.

Interessante Links zum Zielgebiet

Pension Schlehenmühle

Fränkische Schweiz

Motorradtouren durch die Fränkische Schweiz

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