Logbuch

Holland 2005

 

Mit der HW 8 über die Friesischen Meere

 

 

Freitag  16.9.2005

 

Pünktlich, wie vereinbart, treffen wir uns bei strömendem Regen in Schalkenbach, um bei Udo die letzten Klamotten auf die verschiedenen Fahrzeuge zu verteilen. Hier zeigt sich zum ersten Mal, dass wir alle natürlich wieder viel zu viel eingepackt hatten. Mit viel Mühe verstauen wir noch die sieben 20 Liter Fässchen und 7 Kisten Stubbis in den verschiedenen Autos.

 

Dann geht es mit unseren schwer beladenen Wagen ab nach Dedenbach zu Else, wo wir weiteren Proviant, 33 Frikadellen und zwei selbst gebackene Kuchen aufnehmen. Nun ist aber wirklich auch die letzte Ecke in jedem Auto voll gepackt. Brigitte von Leo's Schmiede zaubert uns ein opulentes Frühstücksbuffet mit Rührei und Speck, Käse und Wurst, frischen Brötchen und leckerem Kaffee. Gegen 9.30 Uhr ist auch dieser Punkt unseres Anreisetages erledigt und wir fahren in zivilisierter Geschwaderfahrt über Niederzissen auf die A 61.

 

Das Wetter lässt an diesem Tag erst einmal nichts Gutes erwarten, aber je weiter wir nach Norden kommen, umso mehr hellt sich der graue Himmel auf und schon bald können wir den Scheibenwischern immer größer werdende Pausen gönnen. Ja, irgendwann kommen dann auch noch die Sonnebrillen zum Einsatz.

 

Bei unserem ersten Stop in Venlo meldet sich lautstark der ewig hungrige Erdal zu Wort und beschwert sich auf dem Parkplatz des Blumenkaufhauses darüber, dass wir nicht bei Mc. Donalds, einige hundert Meter vorher, angehalten haben. Auch darüber kommen wir hinweg und können unseren Schiermaxe wieder beruhigen. Als dann noch die ausgiebigen Handytest abgeschlossen waren, geht unsere Fahrt weiter, in gesittetem 120 km/h Tempo über die Autobahn in Richtung Appeldoorn, Zwolle und weiter Richtung Leeuwaarden.

 

Gegen 14.30 Uhr, nach einer weiteren Kaffeepause, finden wir auch im Gewerbegebiet von Grow unseren Vercharterer wieder. Rasch ist das Boot geladen und wir beschließen, direkt auszulaufen und unsere erste Nacht in Sneek zu verbringen.

Am Abend zaubert unser Smutje ein herrliches Menü mit Salat als Vorspeise und Züricher Geschnetzeltem vom Feinsten. Der Abend klingt an Bord aus mit der Erfüllung unserer Pflicht, an diesem Tag unser erstes 20 Liter Fässchen zu killen. Der Restdurst wird noch mit ein paar Stubbis ruhig gestellt.  Dann geht es ab in die Heija und wir lassen uns von ab und an prasselnden Regentropfen in den Schlaf trommeln.

 

Samstag 17. September 05

 

Es erwartet uns an diesem Tag ein fast wolkenloser, tiefblauer Himmel. Der Wind hat die Schauerwolken vom Vortag nach Süden abgedrängt. Die Crew macht noch einen Versorgungsgang ins Städtchen. Mülleimerbeutel, Spüli und noch ein paar Kleinigkeiten hatten wir schlicht zuhause vergessen, was aber kein Drama darstellt.

In gemütlicher Fahrt geht es nach Leeuwaarden, unserem nächsten Etappenziel.

Gegen 16.00 Uhr machen wir mitten in der Stadt am Rande eines kleinen Stadtparks fest. Die Formalitäten mit dem Hafenmeister sind rasch erledigt und wir sind in die Infrastruktur Toiletten, Duschen etc. eingewiesen.

 

Wie vom Hafenmeister angekündigt, sind wir in 5 Minuten zu Fuß im Zentrum und trinken in einer Musikkneipe unsere ersten vier Meter holländisches Bier. Danach geht es zurück an Bord, wo der Tag bei einem ausgedehnten Dämmerschoppen ausklingt. Fernsehempfang haben wir auch an diesem Liegeplatz keinen, so dass uns nichts anderes übrig bleibt, als uns ausgiebig unseren Biervorräten zu widmen.

 

Sonntag 18.9.2005

 

Als am nächsten Tag die Mannschaft mit der Morgentoilette fertig ist, starten wir in Richtung Prinzenhof. Der Himmel hat sich grau verschleiert und es fehlt der Wind, der die Wolken beiseite schieben könnte. 10 ° C zeigt das Thermometer an der Stadtausfahrt in Leeuwaarden um 9.45 Uhr. Ein recht frischer Morgen also.

 

In ruhiger Fahrt geht es über Wartena und das Naturschutzgebiet Princenhof in Richtung Akkrum. In der kleinen Durchfahrt Wartena war an diesem Sonntag Morgen die Hölle los. Große und kleine Boote zwängten sich zwischen den beiden innerörtlichen Brücken. So  richtig Platz bekommen wir erst wieder nach Akkrum im Sneeker Meer, obwohl das wie wohl an jedem Wochenende von mehreren Segelratten belegt ist. Wir nehmen wegen der ungünstigen Tageszeit und um Liegenzeiten in den Bedienpausen der noch zu passierenden Brücken zu vermeiden den Prinzess Margret Kanal Richtung Süden. Kurz vor Lemmer biegen wir ab und durchfahren den Kanal in Richtung Tjeukermeer. Die letzte Brücke für heute nehmen wir problemlos und queren am späten Nachmittag das Tjeukermeer in Richtung Echtenerbrug. Das Wetter hat sich in der zweiten Tageshälfte doch noch aufgeklart und wir können die letzten Sonnenstrahlen dieses wunderschönen Tages auf dem Oberdeck genießen. Gegen 18.30 Uhr machen wir bei Merenport in Echtenerbrug fest. Das Abendessen des heutigen Tages besteht aus einem leckeren Bohneneintopf mit Siedewürstchen. Danach machen wir uns an die Vernichtung unseres dritten Fässchens.

 

Mit den Ergebnissen der heutigen Bundestagswahl in Deutshland sind wir unterschiedlich zufrieden und stellen nach kurzer Zeit das dumme Politikergequatsche in der Berliner Runde einfach ab, nachdem uns alle Parteienvertreter zu erklären versuchen, sie hätten diese Wahl gewonnen. Wir spielen stattdessen einige Partien Lügenmäxchen in die Bordkasse. Die Stimmung an Bord ist prächtig und gegen 1.00 Uhr verschwinden wir nach und nach in unseren Kojen.

 

Montag 19.9.2005

 

Nach einer ruhigen Nacht erwartet uns ein total wolkenloser und tiefblauer Himmel. Das Tjeukermeer hinter uns liegt spiegelglatt da, kein Lüftchen regt sich. Ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Nach der Morgentoilette und nachdem wir 200 l Wasser gebunkert haben, legen wir zu unserer nächsten, heute etwas kürzeren Tagesetappe Blockzjil ab . Nachdem wir gestern doch einige Meilen zuviel zurückgelegt haben, wollen wir es heute gemächlich angehen. Während die Mannschaft im Salon frühstückt, verlässt unsere HW 8 Echtenerbrug Richtung Naturschutzgebiet Wetering. Es verspricht ein wunderbarer Urlaubstag an Bord zu werden.

 

In extrem gemütlicher Fahrt durchzieht unser Schiff das Naturschutzgebiet Wetering mit seinen ausgedehnten Schilffeldern an der Steuerbord- und Backbordseite. Der Motorbootverkehr scheint heute auf ein Minimum heruntergefahren zu sein, über weite Strecken gehört uns der Kanal ganz alleine. In Kalenberg werden wir zu einer Zwangspause genötigt, bis die kleine Brücke um 13.00 Uhr wieder bedient wird. Bei herrlichem Sonnenschein ziehen wir unsere Bahn am Anfang des Giethorner Meeres Richtung steuerbord, wo uns von weitem schon der Kirchturm von Blockzjil gegen 14.00 Uhr die Richtung zu unserem heutigen Tagesziel vorgibt. Vor der Schleuse lassen wir noch einen Verband mit Pontons passieren, dann laufen wir in die Schleuse ein. Das Manöver wird wie immer von einer großen Gästeschar auf der Terrasse des Lokals an der Schleuse beobachtet und fachkundig kommentiert. Wir passieren die Schleuse ohne Probleme und machen im Stadthafen von Blockzijl fest. Neben uns liegt bereits ein kleiner Segler mit einem schon etwas älteren holländischen Paar. Der Skipper legt mit uns Hand an beim festmachen und wir bedanken uns am Abend mit einem kleinen Schnaps aus der Heimat von unserem Schabaubrett. Aus dem Gespräch ergibt sich, dass die beiden Segler bereits seit 4 Monaten auf dem Wasser unterwegs sind und sie sich nun in Richtung friesische Nordseeinseln weiter bewegen werden. Auf  unserem Landgang durch Blockzjil kehren wir ebenfalls in der Schleusenkneipe ein und beobachten die ein- und auslaufenden Schiffe.

 

Der Abend an Bord klingt mit ein paar Spielchen aus. Gegen 1.00 Uhr kehrt so langsam Ruhe an Bord ein und wir verbringen eine weitere, ruhige Nacht an Bord.

 

Dienstag 20.September 2005

 

Nach der Morgentoilette laufen wir gegen 9.30 Uhr aus Blockzjil in Richtung Süden aus. Zwolle soll an diesem Tag unser Ziel sein. Wir ziehen in genüsslich langsamer Fahrt den  Kanal hinunter über das Zwarte Water nach Zwartsluis. Hier ist ein Versorgungsgang angesagt, denn Erdal hat nach intensivem Suchen festgestellt, dass er sein Duschgel versehentlich einem großen Unbekannten im Hafen zuvor gespendet hat. Darüber hinaus ist unser Vorrat an Eiern aufgebraucht. Da auf dem Menüplan heute Leberkäse mit Spiegelei steht, ist aber diese Zutat für das heutige Mittagsmenü unerlässlich. Also macht sich die Mannschaft auf ins Städtchen.

Nach einer guten Stunde sind alle Mann wieder an Bord und alle Aufträge erledigt. Nach weiteren 1 ½  Stunden erreichen wir Zwolle und fahren in den innerstädtischen Passantenhafen ein.  Punkt 15.00 Uhr liegen wir sicher vertäut am Steiger. Das Problem, dass unser Wasserhahn nur noch tröpfchenweise Wasser spendet, haben wir schnell gelöst. Zwar hatten wir in Echtenerbrug 200 Liter Wasser gebunkert, aber offensichtlich haben wir uns bei unserem Wasserverbrauch entweder gewaltig verschätzt, oder aber der Wassertank war beim Ablegen in Grow doch nicht ganz voll gefüllt. Letzteres aber erscheint eher unwahrscheinlich. Es ist aber alles kein Problem, denn das Wasser bekommen wir hier kostenlos. Nach einer Stunde ist der Tank randvoll gefüllt und wir machen uns landfein. Der Hafen liegt unmittelbar an der Fußgängerzone, die wir zunächst gemeinsam durchstreifen. Nach einmal auf und einmal ab in der Fußgängerzone haben wir auch die Highlights von Zwolle gesehen und während die Mannschaft ihren ersten Durst in einer Kneipe stillt, ziehe ich mich an Bord zurück. Um 19.00 Uhr taucht unser Rudergänger an Bord auf mit der frohen Botschaft, ein wunderbares Lokal mit einem Superkoch gefunden zu haben. Ich komme mit und werde mit einem großen Hallo wie der verlorene Sohn begrüßt. Der Leberkäse mit Spiegelei ist für heute gestrichen und wir lassen uns von dem Superkoch mit einem vorzüglichen Sate bzw. mit Kotelett verwöhnen. Danach teilt sich die Mannschaft. Während der eine Teil den Rest des Abends bei einem gemütlichen Bit an Bord verbringt, versucht sich der andere Teil der Mannschaft im Nachtleben von Zwolle. Nach einer weiteren guten Stunde ist auch deren Neugierde gestillt und wir sind alle wieder glücklich an Bord vereint.

 

Der Rest des Abends wird hinsichtlich des Unterhaltungsprogramms von DSF und der englischen Woche der Bundesliga übernommen. So geht ein weiterer Bilderbuchtag seinem Ende entgegen.

 

Mittwoch 21. September 2005

 

Gegen 7.00 Uhr geht die Sonne glutrot im Osten auf. Die sanitären Anlagen im Passantenhafen sind im Umbau und so beschließen wir, außer Erdal, unser Duschbad auf den heutigen Abend zu verschieben. Um kurz nach neuen Uhr legen wir ab, um die drei Brücken stadtauswärts zu passieren . Die Temperaturen an diesem Tag sind zwar nicht hochsommerlich, aber von einem wolkenlosen Himmel strahlt erneut die Sonne und es verspricht ein wunderschöner Tag zu werden.

 

Der Brückenwärter an der Ausfahrt des Stadthafens lässt sich mehrmals bitten. Nach einer uns endlos erscheinenden Wartezeit wechseln dann doch irgendwann die Lichter und die Brücke bewegt sich. Die weiteren beiden Brücken nehmen wir dann quasi im Vorbeifahren und laufen das Zwarte Wasser wieder hinauf über Zwartsluis und den uns endlos lang erscheinenden Kanal über Emeloord hinauf nach Lemmer. Nachdem wir das freie Wasser erreicht haben übernimmt Berthold das Ruder. Nach unserem Plan wollen wir versuchen, die beiden Schleusen in Lemmer vor der nachmittäglichen Pause um 16.00 Uhr zu erreichen. In Lemmer  ist dann noch ein Stadtgang angesagt. Gegen 18.00 Uhr wollen wir dann die letzten Meilen nach Sloten abspulen, um hier den nächsten Abend zu verbringen.

 

Die Nachmittagspause der Schleusenwärterin in Lemmer schaffen wir nicht mehr und so müssen wir, nach der Schleusung ins Jisselmeer etwa eine halbe Stunde über das Jisselmeer kreuzen. Die Schleusung erfolgt dann problemlos und bei dichtem Gegenverkehr laufen wir mitten durch Lemmer. Aus dem vorgesehenen kleinen Landgang in Lemmer wird nichts, denn alle Liegeplätze in der Stadt sind um diese Urzeit schon oder noch belegt. Also genießen wir die Stadt vom Wasser her und fahren hinaus auf den Princess Margret Kanal, hier an der großen Tonne hart backbord und hinüber nach Sloten. Hier verbringen wir einen gemütlichen Abend an Bord mit ein paar Spielchen und einem gepflegten Bit.

 

 

Donnerstag den 22. September 2005

 

Erneut begrüßt uns an diesem Tag der strahlend blaue Himmel ohne auch nur einen leisen Hauch von Wolken. Nachdem die Mannschaft ihre Morgentoilette beendet hat und nun auch Berthold sein Shampoo dem großen unbekannten Holländer gespendet hat, laufen wir in Richtung Norden aus. Die drei Brücken in Sloten, Workum und auf dem Jan Frieso Kanal nehmen wir ohne Probleme und erreichen, nachdem wir Heeg passiert haben, bald wieder den Princess Margret Kanal. Hier nun können wir ohne weitere Schleusen- oder Brückenhindernisse die letzten Meilen hinauf nach Grow abspulen. Am frühen Nachmittag erreichen wir Grow und machen im Stadthafen für einen letzten Stadtbummel und Versorgungsgang fest. Nachdem alle Einkäufe erledigt sind, gibt es an Bord Kaffee und Kekse. Gegen 17.00 Uhr laufen wir im Hafen des Vercharterers ein und rüsten uns für unsere letzte Nacht an Bord.

 

Freitag den 23.September 2005

Schon zeitig beginnt am heutigen Tag das Bordleben. In allen Kajüten grummelt und raschelt es, das große Packen hat begonnen. Nach unserem letzten, ausgiebigen Frühstück wird das Schiff von oben bis unten aufgeklart. Herr Rienks füllt die Diesel- und Wasservorräte auf, Berthold, unser Reeder 2005, rechnet mit Frau Rienks ab und gegen 10.00 Uhr sind wir startklar für die Reise zurück nach Deutschland. Natürlich verfehlt Berthold auf der Autobahn bei Appeldoorn auch noch eine Abfahrt und unsere bis dahin gemütlich zusammenfahrende Truppe wird erst einmal auseinander gerissen. Auf der nächsten Raststätte, kurz vor Venlo finden wir uns dann aber alle wieder zu einen Tässchen Kaffee zusammen. Die restlichen Kilometer in die Eifel sind kein großer Auftrag mehr. Stau- und stressfrei erreichen wir die Heimat und lassen diese wunderschöne Reise in Dedenbach bei Leo’s Schmiede mit einem vorzüglichen Schnitzelessen ausklingen.

 

Sonstige Reisedaten:

Mannschaft:

1 Skipper

1 Rudergänger

2 Smutjes

1 Schmiermaxe

1 Maschinist

 

Wetter: Anfangs kurze Schauer. Später dann wolkenlos bei schwachem bis mäßigem Wind aus west-nordwestlicher Richtung.

Temperaturen tagsüber um 20 °C. Nachts Abkühlung auf ca. 8-10°C.

 

Spritverbrauch: ca. 130 l Diesel

Wasserverbrauch ca. 800 l

 

Besondere Vorkommnisse: Keine

 

Bildergalerie Teil I
Bildergalerie Teil II

Bildergalerie Teil III