Mit der HW 4 durch Friesland

12.-19.September 2008

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Freitag der 12.9.2008

 

Leichter Regen ab Wehr, der, je weiter wir kamen immer stärker wurde. An diesem Tag hatten wir die Reste der gerade anlaufenden Hurrikansaison in der Karibik regelrecht auszubaden. Auf unseren ansonsten obligatorischen Stopp in Venlo, am Kreisverkehr, Ausfahrt Njimwegen, mussten wir wegen des starken Regens verzichten. Je weiter wir jedoch Richtung Norden kamen, umso besser schien das Wetter zu werden und tatsächlich hörte der Regen irgendwann auf. Dafür nahm uns auf dem Rastplatz ein heftiger Ostwind in Empfang, der die Regenwolken von unserer Route weg in weniger begehrte Regionen der Niederlande trieb. Gegen 13.00 Uhr erreichten wir Grow und konnten auch sofort mit dem einchecken beginnen. Der Bürokram war schnell erledigt, aber da wir an diesem Tag ohnehin nicht mehr losfahren wollten, gaben wir Herrn Rienks reichlich Zeit, die nach und nach eintrudelnden anderen Crews startklar zu machen.

 

Wir hatten gerade unser Gepäck an Bord, als es erst langsam, dann aber immer heftiger anfing zu regnen. Außer, dass das die Aussichten auf die kommenden Tage etwas trübte, störte uns das Wetter eigentlich nicht mehr besonders.

 

Gegen 16.00 Uhr, nach unserem Nachmittagskaffee machten wir uns auf ins Städtchen, wo an diesem Wochenende so etwas wie Kirmes gefeiert wurde. Wir klapperten die kleine Fußgängerzone von Grow ab und Edith entdeckte eine etwas ausgefallene Vase, deren Erwerb wir aber auf unseren Growtag nach unserer Rückkehr verschoben.

 

Das Essen beim Chinesen, mit dem wir normalerweise unseren ersten Tag in Grow beschließen, war eine einzige Enttäuschung. Zu teuer und nicht gut. Das mag als Beschreibung genügen. Den Rest des Abends ließen wir an Bord bei ein paar guten Fläschchen Bitburger und einem guten Scotch ausklingen.  Was uns ein wenig Sorge bereitete, war der dauerregen, der die ganze Nacht über mal mehr und mal weniger heftig auf die HW 4 trommelte.

 

Samstag der 13.9. 2008

 

Auch während des Frühstücks begleitete uns der Regen. Der konnte uns aber nicht davon abhalten, gegen 9.00 Uhr die Leinen los zu werfen und gegen den sich am Horizont abzeichnenden Silberstreif zu schippern. Je mehr wir uns von Grow weg bewegten, umso klarer wurde das Wetter und bereits nach einer guten halben Stunde Fahrt Richtung Norden auf dem Princess Margret Kanal hatten wir die schweren Regenwolken hinter uns gelassen und ein hellblauer Himmel wölbte sich über uns. Der zwischenzeitlich stark auffrischende Wind störte uns weniger, vermochte er doch unsere HW 4  mit ihren rund 10 Tonnen Lebendgewicht auch nicht im Geringsten aus der Ruhe zu bringen.

 

Da unser Tagesziel Leeuwarden allenfalls eine halbe Tagesreise von uns entfernt lag, erlaubten wir uns einen ausführlichen Abstecher bis fast an das Ende des Naturschutzgebiets um Ernewoude und den Prinzenhof ohne jedoch in die tiefer in die ausgedehnten Schilfgebiete mit ihrer reichhaltigen Fauna einzudringen. Hierfür war unsere HW 4 einfach zu breit und zu schwer und damit zu tief gehend. Den fahrerisch langweiligen Prinzess Margret Kanal umgingen wir und nahmen die Abkürzung nach Leeuwarden über Wartena, ein schmuckes kleines Örtchen mit zwei Brücken. Da unsere HW 4 nach Angaben des Vercharterers genau 4 m hoch baute trauten wir der Angabe an der ersten Brücke nicht, die eine Durchfahrtshöhe von 4,05 m zeigte. Allein der Regen der vergangenen Nacht hätte den Wasserspiegel  ja vielleicht um 5 cm ansteigen lassen können und wir hätten uns unter der Brücke fest gefahren. Also gaben wir dem Brückenwärter Signal und er stoppte den Verkehr und hob die Brücke für uns an. 5 cm Toleranz, dieses Risiko wollte ich einfach nicht eingehen.

 

In langsamer Marschfahrt umfuhren wir also Leeuwarden und kamen pünktlich zum Wiederbeginn der Brückenbedienzeiten an die erste bewegliche Brücke an der Einfahrt zu dieser wunderbaren Stadt. Die restlichen drei Brücken passierten wir ebenfalls problemlos und dann kam das Anlegemanöver. Gemächlich pirschten wir uns vor an unseren alten Anlegeplatz der vergangenen Jahre, der praktisch nah am Sanitärgebäude und an der Fußgängerzone lag. Allerdings hatte der Regen die Wiese in einen morastigen Sumpf verwandelt. Edith, die die Vorleine an Land in den Festmacherring bringen sollte verfehlte beim Sprung an Land das Ufer und verschwand zwischen Ufer und Schiff im Wasser. Ich sprang sofort an Land und wie schrecklich, mit weit aufgerissenen Augen ging sie einfach vor meinen Augen unter, kam aber noch einmal hoch und streckte mir auf meinen Zuruf ihre Hand entgegen. Dieser Anblick wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, wenn er überhaupt noch einmal aus meinem Gedächtnis verschwindet. Mit einer Hand  zog ich sie an Land, mit der anderen hielt ich das Schiff vom Ufer weg, damit sie nicht zerquetscht wurde. Alles ging blitzschnell und bis ich wieder einen klaren Gedanken fassen konnte, bemerkte ich, dass das Heck des Schiffes in Richtung offenes Wasser trieb denn ich hatte es in der Hektik nicht mehr geschafft, den Leerlauf einzulegen und so drehte sich das Schiff praktisch mit Standgas und steuerbord anliegendem Ruder vom Land weg drehte. Erst der Mann, dann das Schiff, schoss es mir durch den Kopf und erst als ich sicher war, dass Edith nichts mehr passieren konnte, sprang ich auf das Schiff und bugsierte das Heck wieder an Land. Alles ging so rasend schnell, dass ich es im Einzelnen gar nicht mehr nachvollziehen kann. Ich befahl Edith, sofort an Bord zu gehen die nassen Klamotten auszuziehen ohne nachzusehen, ob sie sich irgendwie wehgetan hatte. 

 

Dieser Schock saß tief, ohne dass ich in diesem Moment darüber nachdenken konnte, was alles noch hätte passieren können. Das kam alles erst im weiteren Verlauf des Nachmittags, der aber rein äußerlich zunächst ganz normal weiter zu verlaufen schien. Doch wir beide haben gemerkt, dass wir trotz der Flachserei an einem richtigen Unglück gerade noch so vorbei geschrammt sind.

 

Dennoch, rasch gingen wir, äußerlich scheinbar fast unbeeindruckt zur Tagesordnung über, tranken unseren Kaffee und machten unseren Stadtbummel. Hierbei zeigte sich dann doch allmählich, welche Blessuren dieser Zwischenfall hinterlassen hat. Das Steißbein geprellt, an der einen Hand zwei Finger verstaucht, an der anderen einen Finger abgeschürft. Den Fuß verstaucht und eine große Beule am Kopf. Damit werden wir uns in den kommenden Tagen auseinanderzusetzen haben.

 

Nach dem Stadtbummel machten wir uns ein feines Abendessen. Danach zog es Edith in die Horizontale denn das Steißbein quittierte zu langes Sitzen einfach mit Schmerzen. Nun haben wir 21.30 Uhr und sie scheint wirklich schlafen zu können. Ich kann das noch lange nicht und schreibe mir die Spannung aus der Seele. Was mit Schreiben nicht weg geht, mag der Scotch herunterspülen. Mal sehen, wie es morgen geht. Wenn es nicht geht, bleiben wir noch einen Tag liegen und wenn alle Stricke reißen, brechen wir ab. Was nicht mehr geht das geht nicht mehr.

 

Sonntag 14.9.08

 

Edith’s Blessuren sind nur teilweise abgeklungen, aber doch schon teilweise und ihre Schmerzen halten sich offensichtlich in Grenzen. Um 7.30 Uhr war das Schiff aufgeklart, die Schlammspuren des Vortages af dem Achterdeck waren rasch wieder in den Kanal gespült. Da wir am Abend vorher relativ spät gegessen haben, hielt sich unser Appetit an diesem Morgen in Grenzen. Eine Scheibe Brot für jeden und eine gute Tasse Kaffee sollten fürs Erste genügen. Am gegenüberliegenden Ufer machte sich ein deutscher Segler reisefertig und pünktlich um 9.00 Uhr hob sich für uns die erste Brücke zur Ausfahrt aus Leeuwarden. Nach der fünften Brücke hatten wir dann wieder freie Fahrt in Richtung Prinzess-Margret-Kanal. Es war ein herrlicher Morgen. Unter einem tiefblauen, wolkenlosen Himmel und leichtem Westwind lief unsere HW 4 ruhig, wie an einer Schnur gezogen in Richtung Westen. Diesmal nahmen wir nicht die Abkürzung über Wartena, sondern liefen außen über den Kanal herum auf den Prinzess-Margret-Kanal. Je weiter wir in Richtung Süden kamen, umso mehr machte sich der Sonntags Ausflugsverkehr auf dem Wasser bemerkbar und auf dem Pikmeer bei Grow war dann der Betrieb schon heftig. Eine verbindliche reiseplan für den heutigen Tag gab es nicht und als wir bereits gegen 13.00 Sneek passierten, war es einfach noch zu früh, um den Hafen in Sneek anzulaufen. Dies schon deshalb, weil das ansonsten auch sehr lebhafte Sneek mit geschlossenen Geschäften an diesem Sonntag nichts besonders zu bieten hatte. Also fuhren legten wir am Ende des Sneeker Meeres das Ruder hart backbord und tuckerten querab weiter über das dicht an dicht mit Seglern bevölkerte Sneeker Meer in Richtung Joure. Die Ausfahrt des Kanals trafen wir auf Anhieb, passierten Joure und liefen nach einer guten Stunde in das Tjeukermeer ein. Der Wind hatte ein wenig zugelegt und weil unsere Wasserkarte keine zuverlässige Angabe über die Wassertiefe gab, hielten wir uns in der ausgetonnten Fahrrinne und umfuhren das Tjeukermeer sozusagen im Western unter Land. Nach einer guten Stunde konnten wir dann dem Rollen des Schiffes in den querab ankommenden Willen ein Ende bereiten und drehten ab in Richtung Westen nach Echtenerbrug. Nach einer guten halben Stunde hatte die etwas ruppige Überfahrt ein Ende und wir liefen in den Jachthafen Merenport ein, um hier zu übernachten. Nachdem das Schiff festlag, setzte Edith die Kartoffeln auf und wenig später saßen wir bei Pellkartoffeln und Bismarckheringen bei Tisch.

 

Nach dem Essen noch ein kleiner Landgang und zwei Bierchen, begleitet von zwei Bessen Genever im Restaurant „Dicke Tut“ direkt an der Brücke spazierten wir wieder zurück an Bord und ließen hier den Tag bei einem Gläschen  Scotch ausklingen. Alles in allem haben wir an diesem tag zwar eine Menge Meilen gemacht, insgesamt aber war es ein völlig entspannter Tag bei herrlichem Sonnenschein. Und die Aussichten für die kommenden tage waren nach der Auskunft des Hafenmeisters nicht minder schön. Nachts mit 4-7 ° C zwar nicht besonders heiß, dafür aber tagsüber sonnig bei leichtem bis mäßigem Wind. Dieses Wetter soll zumindest bis Donnerstag anhalten, was uns ja in jedem Fall ausreichen würde. Mal sehen, ob der gute Mann Recht behält.

 

Montag der 15.9.2008

 

Um 5.30 Uhr hatte ich ausgeschlafen. Der Cappuccino war rasch gekocht und so genoss ich die erste Tasse bei einem guten Zigarettchen, während um mich herum noch alles totenstill war. Als der Tag sich so gegen 7.00 Uhr allmählich besann zu beginnen, sah der Himmel wirklich freundlich aus. Zwar hingen ein paar vereinzelte Wolkenreste am Horizont. Die aber konnten die Hoffnung nicht trüben, dass es auch heute ein schöner Tag werden würde. Wenn also dann um 9.00 Uhr die Brücke aufgeht, werden wir in Richtung Naturschutzgebiet Kalenberg-Wetering auslaufen. Diese wunderschöne Gegend will ich Edith nicht vorenthalten, die ein besonderes Auge für die schönen Dinge dieser Welt hat. Wie dann der Tag weiter verläuft, werden wir sehen. Entweder fahren wir am Abend zurück nach Echtenerbrug oder übernachten in Blockzjil.

 

Pünktlich um 9.00 Uhr zum Schichtbeginn des Brückenwärters starten wir also auf dem langen Kanal Richtung Naturschutzgebiet Wetering. Rechts und links wird der Kanal von schier endlos erscheinenden Schilffeldern gesäumt. Ab und an reckt eine ausgediente Windmühle hilflos ihre überflüssig gewordenen Flügel in den wolkenlosen Himmel. Zwei automatisch gesteuerte Brücken lassen sich unverhältnismäßig lange bitten, bis sie sich endlich bewegen und die Durchfahrt freigeben. Die Dreiwegeschleuse in Richtung Ossenzjil passieren wir ohne Probleme als einziges Schiff. Ebenso die relativ enge Durchfahrt an der beweglichen Brücke in Ossenzjil, dem Tor zum Naturschutzgebiet.

Von hier ab geht es im Schritttempo durch die ruhige Landschaft. Kleine, schmucke Häuschen mit außerordentlich gepflegten Gärten säumen die Ufer. Dann durchfahren wir Kalenberg, eines der Vorzeigedörfer Hollands. Um 11.30 Uhr passieren wir gegen ein Entgelt von 2 € die einzige Brücke des Dorfes. Eigentlich hatten wir vor, nach dem Ort an einer feinen Stelle eine Mittagspause einzulegen und dann wieder gemütlich nach Echtenerbrug zurück zu fahren. Diese Idee hatten aber schon einige Freizeitkapitäne, die sich an dem Schiffsrastplatz so breit gemacht haben, dass wir unsere 11, 20 m hier beim besten Willen nicht mehr unterbringen konnten, zumal auch die Festmacher an Land fehlten und wir mit Erdspießen hätten arbeiten müssen. Eine Arbeit, mit der Edith mit Sicherheit überfordert gewesen wäre und ich hätte es nicht leisten können, denn die andere Hand wäre gleichzeitig an Bord gebraucht worden.

 

Also kehrten wir um und passierten die Schleuse 5 Minuten vor deren Mittagspause. Das gab uns eine halbe Stunde Vorsprung, die wir dann in Ossenzjil vor der Brücke warteten, bis es auch hier weiter gehen konnte. Wir fanden auch noch ein Plätzchen, wo wir anlegen konnten und machten uns ein Würstchen warm. Anschließend noch eine Tasse Kaffee und ein paar Kekse und so war auch der Magen fürs Erste einmal zufrieden gestellt.

 

Um 13.00 Uhr ging es dann weiter, den gleichen Weg zurück nach Echtenerbrug, wo wir um 16.00 Uhr am gleichen Liegeplatz wieder festmachen konnten. Ein idealer Ausgangspunkt für unsere morgige Etappe nach Lemmer.

 

Ein kurzer Gang ins Städtchen, das mit wenigen Schritten rechts und links vom Kanal erkundet war. Dann ging es zurück an Bord, wo Edith uns dann noch ein wunderbares Essen zubereitete. Gebackener Fleischkäse mit Bratkartoffeln. Bald durchzog dieser wunderbare Duft das ganze Schiff und sollte uns unsere Flasche Wein dazu doppelt schmecken lassen. Ich weiß nicht, wie lange wir an diesem Abend noch zusammen gesessen sind. Jedenfalls wurde das Ganze noch ein richtig gemütlicher Abend.

 

Dienstag 16.9.2008

 

Ich hatte tatsächlich bis 6.00 Uhr durchgeschlafen, während Edith bis 7.30 Uhr das Bett hütete. Das war auch die Zeit, zu der man schon etwas über das Wetter des heutigen Tages sagen konnte. Der Himmel hatte sich eingetrübt und die Sonne dürfte es heute schwer haben, die dichte Wolkendecke zu durchdringen. Grau verhangen liegt der Himmel schwer über dem Wasser. Von einem Wind, der diese Wolken wegschieben könnte, weit und breit keine Spur.

Vor uns lag eine gute Stunde freie Fahrt bis um 9.00 Uhr die Folegabrücke in Bewegung gesetzt würde. Um 8.00 Uhr verabschiedete ich mich von den zwei Deutschen Petrijüngern, die uns am Vorabend schon beim Anlegen in Empfang genommen hatten. Sie machten Urlaub bei Merenport in einem gemieteten Mobilhome und schienen wirklich von früh bis spät ihre Maden im Kanal zu baden, ohne nach ihrer eigenen Auskunft etwas zu fangen. Ihre beiden Frauen verbrachen den tag mit Romee spielen. Auch eine Art, Urlaub zu machen.

 

Mit niedrigster Drehzahl schipperten wir über das Tjeukermeer, das glatt wie ein Handtuch vor uns lag. Ab und zu umkreiste uns eine neugierige Möve wohl in der Hoffnung, dass irgendwie für sie ein Brocken abfiel. Aber da wir selbst an diesem Morgen auf das Frühstück verzichtet hatten, gab es auch nichts für Mövens. Irgendwann stürzte sich auch neben unserer HW 4 ein Kormoran ins Wasser, um sich sein Frühstück zu holen. Es dauerte eine ganze Weile, bis er wieder auftauchte. Allerdings war nicht erkennbar, ob dieser Tauchgang von Erfolg gekrönt war. Nach gut 1,5 Stunden gemütlicher Fahrt in der wohl verkehrsärmsten Zeit des Tages auf dem Wasser legten wir auf dem Prinzess-Margret-Kanal das Ruder hart backbord und drehten Richtung Süden, Richtung Jisselmeer und Lemmer. Hier herrschte um diese Zeit nun schon etwas regerer Verkehr, ganz überwiegend von der Berufsschifffahrt bestritten. Ganz unerwartet drehte vor uns ein Baggerschiff quer und begann unverzüglich mit seiner Arbeit, die Fahrrinne des Prinzess-Margret-Kanal auszubaggern. Außer uns bevölkerten noch zwei Berufsfischer das Wasser, die ihre Netze kontrollierten. Bald schon erreichten wir Lemmer und fanden auf Anhieb ein feines Liegeplätzchen, mitten in der Stadt. Tatsächlich ist es nur ein Schritt und wir stehen mitten in der Fußgängerzone. Und was wir am Morgen gar nicht zu hoffen gewagt hatten, wie große unsichtbare hand schob die tief hängende Wolkendecke beiseite und es öffnete sich ein strahlend blauer Himmel über uns, der sich erst wieder gegen Nachmittag leicht bezog.

 

Ein erster kleiner Stadtbummel endete mit mehreren Einkaufstaschen voller Klamotten, die uns im Vergleich zur Heimat nicht nur flotter, sondern auch relativ preiswert erschienen. Die Touristensaison war zu Ende und hier lief der Totalausverkauf, wovon wir in erheblichem Maße profitierten.

 

Gegen 12.00 Uhr gab es an Bord ein kleines Mittagessen. Weißwürste mit frischen Laugenbrezeln. Auch das war fürs erste o.k. Danach noch eine feine Tasse Kaffee im Sonnenschein auf dem Achterdeck. So gestärkt machten wir einen etwas ausgedehnteren Spaziergang an den Strand von Lemmer. Auf dem Rückweg kehrten wir noch in einem Schuhladen ein, wo ich meine sich allmählich auflösenden Turnschuhe gegen ein paar neue eintauschte. Und weil auch hier der Sommerschlussverkauf lockte, nahm ich gleich noch ein zweites Paar mit. Zwei Paar Schuhe für insgesamt 27 €. Wenn sie so lange halten wie die alten, bin ich gut bedient. Gegen 16.00 Uhr gab es an Bord den Nachmittagskaffee und anschließend legten wir uns ein wenig zur Ruhe. Die wurde allerdings nicht unerheblich von den allmählich eintreffenden Übernachtungsgästen beeinträchtigt, die bis 17.00 Uhr auch das letzte Fleckchen im Hafen belegt hatten.

 

Das Highlight des Tages aber war unser Abendessen beim Italiener. Ich würde meinen, es war die beste Pizza, die ich je in Mitteleuropa gegessen hatte. Groß, knusprig und sehr schmackhaft. Die Pizzeria „La Gondola“ ist also ein richtiger Geniessertip für Lemmer. Als Indiz dafür mag die Tatsache herhalten, dass der Laden um 19.00 Uhr voll besetzt war, während die anderen Lokale mit freien Tischen glänzten.

 

Den Tag beschlossen wir mit einem guten Fläschchen Wein an Bord. Unterm Strich ein richtig gelungener Tag.

 

Mittwoch den 17.9.2008

 

Da wir einen so genialen Liegeplatz gefunden hatten beschlossen wir, einen weiteren Tag in Lemmer zu bleiben. Wir werden anfangen, das Schiff ein wenig für die Rückgabe vorzubereiten und werden dann am Donnerstag um 9.00 Uhr, sobald die Brücke hier aufmacht in einem Streifen zurück nach Grow fahren, wo wir am Donnerstagabend anlegen wollen um dann am Freitag früh das Schiff abzugeben.

 

Das Wetter zeigte sich zum Tagesanfang nicht gerade von seiner besten Seite, ein grau verhangener Himmel aber wenigstens blieb es trocken. Das aber sollte sich im Laufe des Tages noch bessern und ab und an nutzte auch die Sonne ihre Chance, auf diesen wunderbaren Landstrich hernieder zu schauen.

 

Es war schon 10.30 Uhr bis wir gefrühstückt und uns landfein gemacht hatten. Von unserem kleinen Stadtbummel kamen wir erneut bepackt mit mehreren Kleinigkeiten zurück an Bord. Hier gab es erst einmal eine gute Tasse Kaffee und ein paar Plätzchen. Danach war Ruhen angesagt. Um 16.00 Uhr machten wir unseren letzten Stadtbummel für dieses Jahr durch Lemmer. Wie offensichtlich an jedem Abend, s füllte sich auch an diesem bis 17.00 Uhr der Hafen und an manchen Stellen lagen die  Boote im Zweierpäckchen nebeneinander.

 

Das Abendessen gegen 18.00 Uhr – Spaghetti alio olio hat hervorragend geschmeckt. Es ist schon verwunderlich, was man mit den kargen Bordmittel mit einiger Phantasie auf den Tisch und die Teller zaubern kann.

 

Den Abend ließen wir heute bei einem gemütlichen Bierchen ausklingen und genießen den letzten Tag unserer Reise.

 

Donnerstag 18.9.2008

 

Pünktlich um 9.00 Uhr gibt uns die bewegliche Brücke in Lemmer den Weg frei und wir verlassen as erstes Schiff das wunderschöne Städtchen in Richtung Princess Margret-Kanal. Ein wunderschöner klarer Morgen mit einem tiefblauen Himmel bildet die Kulisse für die letzte Etappe unserer reise nach Grow. In Wellen überfliegen uns die Zugvögel in einzigartigen Formationen immer wieder in Richtung Süden, während wir in gemütlicher Fahrt unsere HW 4 in Richtung Norden, nach Grow tuckern lassen. Gegen 14.00 Uhr machen wir am Steg unseres Vercharterers fest. Das Gröbste ist bereits gepackt und es dauert nicht lange, bis wir das Schiff endgültig zur Übergabe am Freitag Morgen aufgeklart haben. Noch einem guten Tässchen Kaffee machen wir uns noch einmal auf zu einem kleinen Stadtbummel. Edith kauft noch eine schöne große Vase für unser Wohnzimmer in Wehr. Den Abend verbringen wir noch einmal gemütlich an Bord. Leichter Nieselregen hat eingesetzt, was uns die Außenreinigung des Bootes ganz wesentlich erleichtert.

 

Nach diesem gemütlichen Tag, an dem wir dennoch ganz ordentlich Meilen gemacht haben, verbringen wir eine ruhige Nacht.

 

Freitag den 19.9.2008

 

Die Übergabe unseres Schiffes ist problemlos. Frau Rienks ist wie immer mit dem Zustand des Bootes überaus zufrieden. Die Büroformalitäten sind ebenfalls rasch erledigt und so machen wir uns gegen 10.00 Uhr auf den Weg nach Hause. Ca. 4 Stunden gleiten wir mit angenehmen 120 km/h über die Autobahn und erreichen nach einem kleinen Zwischenstopp unterwegs Wehr gegen 14.30 Uhr. Hier geht eine wunderschöne, vor allen Dingen sehr erholsame Reise zu Ende. Für 2009 haben wir die HW 4 natürlich direkt vorgebucht. Friesland ist mittlerweile ein Fixpunkt in unserem Urlaubskalender geworden.