Vinxtbach Yachting Crew on Tour

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Logbuch HW 8


vom 19. - 26 September 2003

Wetter: Überwiegend heiter und sonnig. Sommerlich.

Temperaturen: tagsüber 20° - 29 ° C, nachts kühl bis 4 ° C.

Wind: mäßiger, im Gewitter böig auffrischender Wind aus West bis Südwest drehend, 6-7 bft.

Freitag, 19. September 2003

Nach dem gemeinsamen Frühstück als gelungenem Auftakt erreichten wir pünktlich Grow, wo unsere HW 8 im Hafen  unseres

Vercharterers GJS

bereits aufgeklart und voll getankt auf uns wartete. Ein Traumschiff, ganz in weiß, das unsere Erwartungen, die sich bis dahin nur auf Prospekte stützten konnten, bei weitem übertraf. Ich konnte mich an diesem Teil gar nicht satt sehen, so groß, geräumig und stattlich stolz lag sie da im Wasser und sollte für die kommenden 7 Tage uns ganz alleine gehören. Nach der Beladung und der kurzen Einweisung durch den Vercharterer liefen wir noch am Nachmittag um die Ecke aus in den Jachthafen von Grow, wo wir unsere erste Nacht an Bord verbrachten. Menn, unser Smutje, zauberte ein Abend Menü der feinsten Art in der geräumigen Kombüse und so erübrigte sich der ursprünglich vorgesehene  Landgang.

Samstag, 20. September

Am Samstag früh hielt uns erst einmal dichter Nebel über dem Pikmeer im Hafen gefangen. Nur die Berufsschifffahrt über den Princess Margret Kanal hatte eine Chance, hier unter Radar weiter zu kommen. Kein Problem für uns, denn wir überbrückten die Zeit, bis die Sonne an diesem Tag die Oberhand gewann, mit einem kleinen Landausflug ins Städtchen, das an diesem Tag die Kulisse für einen großen Flohmarkt der traditionellen Art bot. Es gab nichts, was es hier nicht gab, allerdings auch nichts, was einer von uns hätte brauchen können. Ricard begnügte sich mit der Ersatzbeschaffung für seine am Vorabend beim ersten Anlegemanöver Neptun geopferter Armbanduhr, die jetzt, weil wasserdicht, auf dem Grund des Hafenbeckens den Fischen die Zeit ansagt.

Gegen 11.00 Uhr liefen wir aus ins Pikmeer und von dort hinunter ins Sneeker Meer, wo wir uns  in die Riesenschar der Sportsegler mischten. Es war sozusagen der Tag zum Eingewöhnen an Bord. Unsere Kaffeepause absolvierten wir an einer kleinen Insel und beobachteten von dort aus das pralle Leben auf dem Wasser. Gegen Nachmittag machten wir in Sneek fest, versorgten das Schiff und ließen unsere Gaumen im Hafenrestaurant "Albatros" strapazieren, wo uns der Kellner zum guten Schluss auch noch über die Öhrchen hauen wollte, aber wir waren wachsam. Drei Schritte über den Steg, und wir waren wieder an Bord, wo wir einen gemütlichen Abend bei frisch gezapftem Bitburger verbrachten.

Sonntag, 21. September

Meine Sorge, die Tage auf dem Wasser durch Morgennebel drastisch verkürzt zu bekommen, erwies sich als unberechtigt, denn das Schauspiel vom Vortag, der Kampf Sonne gegen Nebel sollte sich auf dieser Reise nicht mehr wiederholen. Nach einem fürstlichen Frühstück liefen wir in Richtung Süden aus , über den Princess-Margret- und Folega Kanal über Heeg ein kurzes Stück ins Heeger Meer und dann Schwenk nach Backbord in Richtung Woudsend, einem malerischen, typisch holländischen Städtchen, mit einer alten Windmühle und was sonst noch so zum Hollandklischee gehört.

Die Mittagspause des Brückenwärters konnten wir allerdings nicht für einen Landgang nutzen, denn alle Liegeplätze stadtseitig waren an diesem herrlich sonnigen Bilderbuch Sonntag belegt. Also dümpelten wir vor der Brücke , bis es dem Brückenwärter nach einer gute dreiviertel Stunde gefiel, den Verkehr durchs Städtchen wieder zu eröffnen.

Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen ließen wir die HW 8 durch die Kanäle und Meere gleiten, bis wir in der Abenddämmerung am Ende des Tjeukermeeres in Echternerbrug festmachten. Auch hier ließ es sich unser Smutje nicht nehmen, uns persönlich von seinen Kochkünsten zu überzeugen.

Montag, 22. September

Nach einer ruhigen Nacht steuerten wir unser nächstes Ziel an, Blockzjil. Der rege Betrieb an der Dreiwege Sluis machte es erforderlich, uns auf Anweisung des Schleusenwärters mit unserer überbreiten HW 8 mit beidseits ausgebrachten "Förstern" - so nannten wir unsere Fender - in die Kammer neben einen Segler zu quetschen. Wir waren am Ende froh, dieses erste Schleusenmanöver ohne Schäden überstanden zu haben und der Skipper hatte sich seinen Schleusenschnaps redlich verdient.

Die weitere Schleichfahrt Richtung Süden führte uns durch das ausgedehnte, romantische Naturschutzgebiet Kalenberg- Wetering mit seinen wunderschönen, reetgedeckten Häuschen und Villen, die teilweise nur vom Wasser her erreichbar sind. Es war eine einzige Erholung für die   Mannschaft, die hier so richtig die Seele baumeln lassen konnte.

Highlight auf diesem Wege war die verlorene Wette unseres Deckoffiziers gegen den Rudergänger. Inmitten eines Schwarms unscheinbarer Enten stach ein farbenfrohes Prachtexemplar heraus, das allerdings reglos zwischen den übrigen Tierchen dümpelte. Für den Deckoffizier ein klarer Fall von Plastikente, für den Rudergänger ein seltenes und wertvolles Entenedelexemplar, das irgendwo aus einer Sammlung ausgebüchst sein musste. Ich machte der Diskussion ein Ende, indem ich unser Schiff auf dem "Teller" drehte und zurück auf den Schwarm zuhielt, der im letzten Moment einschließlich der "Plastikente" auseinander stob. Diese Aktion brachte dem Rudergänger für die gewonnene Wette 100 Euro, die wir am Abend beim Landgang in Blockzjil in reichlich Amstel Bier und Bessen Genever eintauschten. Die Wirtin schenkte den Genever jeweils so hoch voll in mein Glas, dass nichts übrig blieb, als auf den Gebrauch der zittrigen Hände zu verzichten und das Glas freihändig zu leeren. Eine Kunst, die das Mejsje bis dahin nicht zu Gesicht bekommen hatte und sie zur Bemerkung gegenüber dem Skipper verleitete: "Der Mann ist sehr gesund", was aber ab diesem Tag nicht mehr in dieser Allgemeinheit zutraf, denn eine böse Erkältung hatte mich trotz des Genevers im Griff.

An diesem Tag stürzten die Temperaturen schon am Nachmittag in den Keller, große Gewitterwolken türmten sich auf und entluden sich in der Nacht gewaltig, begleitet von heftigen Sturmböen. Gedanklich richteten wir uns schon am Abend darauf ein, diese Wetterkapriolen im sicheren Hafen von Blockzjil abwettern zu müssen.

Dienstag 23. September

Selbst dem Havemeester war das Wetter zu schlecht, um uns mit seinem Geldbeutel einen Besuch abzustatten. So spendete uns die Gemeinde eine kostenlose Übernachtung im Hafen von Blockzjil. Am diesem Morgen war der nächtliche Spuk aber schon wieder vorbei. Die Wolkenfetzen der Nacht zeichneten herrliche Gemälde in den vom Morgenrot weich gezeichneten Himmel. Der Wind war eingeschlafen so dass wir planmäßig nach unserem fürstlichen Frühstück über die Blouwe Hand in Richtung Giethorn, dem Venedig Hollands und Stenwjik auslaufen konnten. Den wieder kräftig auffrischenden Wind wetterten wir im Hafen von Stenwjik bei einem ausgiebigen Landgang ab. Am frühen Nachmittag ging es über den großen Kanal zurück nach Ossenzijl und Echtenerbrug, wo wir am Abend die unzureichenden Kochkünste der "Dicke Tut" über uns ergehen ließen. Keine Offenbarung, die Küche hier.

Mittwoch, 24. September

Die nächste Tagesetappe war mit Lemmer, dem Ausgang zum Ijsselmeer und Sloten relativ kurz geplant. So konnten wir dem Wassersportparadies Lemmer mit einem ausführlichen Landgang und Souvenir Shopping unsere Aufwartung machen. Leider hatte mich bis dahin die heftige Erkältung nicht aus den Krallen gelassen, so dass ich den abendlichen Landgang in Sloten ausfallen lassen musste und dafür die Ankerwache für diesen Abend übernahm. Die Jungs haben in Sloten mächtig einen gebechert und waren am Ende über die Höhe der Zeche so erstaunt wie erbost. Das aber ist in Holland abzusehen. Hier ist es keine Kunst, in relativ kurzer Zeit mal eben 143 Euro durch 4 durstige Kehlen zu jagen. Recht so, aber keinen hat es wirklich gereut.

Donnerstag den 25. September

Auf der letzten Etappe, Sloten - Grow ging es dann unter anderem darum, die HW 8 zur Übergabe am nächsten Tag aufzuklaren. 10 fleißige Hände schrubbten und wiehnerten in allen Ecken und Kanten und am Abend lief die HW 8 in vollem Glanz in den Hafen des Vercharterers GJS ein. Irgendwie hatten wir uns mit dem flüssigen Proviant verkalkuliert und mussten, da das Bitburger zwischenzeitlich ausgegangen war, Heineken Brühe in Sneek für den letzten Abend an Bord nachbunkern.

Geschwächt von meiner Erkältung wollte ich meine Geschmacksnerven nicht mit diesem Zeug quälen und überließ die 36 Dosen meiner Mannschaft komplett, die sie nicht ungestraft am letzten Abend mit Langzeitwirkung für den nächsten Tag vernichtete. Mit seinem Festmenü am letzten Abend, Gulasch mit Kartoffeln und Apfelkompott legte unser Smutje noch einmal alle Ehre ein.

Freitag den 26. September

Um 8.00 Uhr konnten wir mit der Entladung und Übergabe unserer HW 8 beginnen und hier kam die nächste Überraschung. Unsere Prachtlady war nicht nur ein äußerst schmuckes Schiff. Sie war, was für diese Spezies Weiblichkeit an sich unüblich ist, auch noch äußerst sparsam. Mit 83 Litern Diesel in 6 Tagen bot sie zum Durst der Mannschaft ein echtes Kontrastprogramm.

Unser Vercharterer war mit dem Zustand des Schiffes bei Übergabe hochzufrieden. Wir waren es auch mit ihm und seiner Abrechnung und so ging eine wunderschöne Woche auf den Friesischen Kanälen und Meeren an diesem Freitag morgen zu Ende. GJS und die HW 8 waren, auch im Nachhinein betrachtet, erste Wahl.

Gut 4 Stunden später versammelte sich die Vinxtbacht-Yachting-Crew in Königsfeld / Eifel bei Walter und Else, um diese Reise mit der Liquidation der Skatkasse ausklingen zu lassen.

Was bleibt, sind schöne Erinnerungen an eine, in jeder Hinsicht gelungene Tour.

Klös

Skipper

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