Kindheitserinnerungen
an die Miltenberger Mainbrücke


Mainbrücke Miltenberg

Bei meinem letzten Besuch in der Heimat kam mir beim Spaziergang
unter dem Miltenberger Brückenbogen neben vielem anderen dieses kleine Gedicht wieder in den Sinn:

 Auf Hochdeutsch für meine fremdsprachlichen Besucher:

 

Die Wöhrmsche

Die Würmchen

 

Zwä Bube angele am Mä’,
am erste Brückebooche,

Zwei Jungen angeln am Main
am ersten Brückenbogen

Do, wo des Schlachthausblut nei lääft,
do wer’n viel Fisch’ gezooche.

Dort wo das Blut vom Schlachthaus hineinläuft,
da werden viele Fische heraus gezogen.

Der ä, der hot e Hütsche uff

Mit ausgefranste Zacke,

Der eine, der hat ein Hütchen auf
mit ausgefransten Zacken

De anner ’n hot en Schtiftekopp
un ’n gaanz dicke Backe.

Der andere hat einen Kurzhaarschnitt
und eine ganz dicke Backe.

Uff ämol ruft es von de Brück’,

»0 jesses, o Gewidder!

Auf einmal ruft es von der Brücke,
Oh Jesus, oh Gewitter!

Was hem‘se mit mei’m Hannes gmaacht,
was hot dann der scho’ widder?

Was haben sie mit meinem Johannes gemacht,
was hat denn der schon wieder

Hannes! Du hoscht jo e ganz dick‘s G’sicht!

hoscht Hieb’ kriegt? Wor‘s e Schnacke?

Johannes, Du hast ja ein  ganz dickes Gesicht!
Hast Du Schläge bekommen? War es eine Schnaake?

"Wie kammer nor do angele
mit soume dicke Backe?«

"Wie kann man denn da angeln,
mit solch einer dicken Backe?"

Do ruft de Bu’ mit halber Stimm’,

bringt‘s Maul kaum ausenanner:

Da ruft der Junge mit halber Stimme,
bringt den Mund kaum auseinander:

»Do hab’ ich doch mei’ Wöhrmsche drin,
Sunscht nimmt mer se de Anner!«

"Da habe ich doch meine Würmchen drin,
sonst nimmt sie mir der Andere!"

zurück

Startseite