Mit der  HW 8

über die Friesischen Kanäle und Meren

 

Reise vom 17.-24.9.2004

 

Logbuch

 

 

 

 

 

Tourdaten:

 

 

Mannschaft:

Klaus, Skipper

Berthold, Smutje und Maat

Udo, Rudergänger und Maat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wetter:

 

Überwiegend wolkig, teils sonnig und heiter. Zeitweise stürmisch mit Windstärken in Böen bis zu 8 bft.

Temperaturen tagsüber ca. 15 - 18 ° C. Nachts 5-10° C

 

Verbrauch:

 

Sprit: 103 l Diesel

1.5  Fl Schabau

3 Fass Bit

4 Kisten Stubbi

sowie täglich Frühstück und 2 warme Mahlzeiten an Bord.

 

Besondere Vorkommisse: Keine

 

Freitag der 17.8.

 

Abreise Königsfeld um 9.30 Uhr

 

Pünktlich rollte der Hyundai Bus der Fa. Elektro Thielen den Frankenweg herab. Die Taschen, Kisten sowie das Schabaubrett waren rasch zwischen Stubbi Kisten und den 20-er Fässchen verstaut. Dann klemmten Berthold und ich mich neben Udo auf die vordere Sitzbank und ab ging die Reise. Zunächst zum ersten Boxenstop nach Bad Neuenahr, wo wir das Benzinfass des Hyundai bis an den Rand füllten. Dann noch flott der obligatorische Lottozettel ausgefüllt, denn es könnte ja sein, dass wir in Holland ein  Schiff kaufen wollten.

 

Wenige Momente später waren wir auch schon auf der A 61 in Richtung Mönchengladbach-Venlo. Den Grenzübergang nach Holland hätte wir gar nicht registriert, hätten wir nicht nach knapp einer Stunde unsere Beine neu sortieren müssen und unseren Nikotinspiegel wieder auf Niveau bringen müssen.

 

Über die wechselnd stark frequentierten holländischen Autobahnen führte uns unser Weg konsequent nach Norden, bis wir um 14.00 Uhr die Ausfahrt Grow unter den Rädern hatten. Die Fa. GJS war rasch gefunden und da lag sie, fix und fertig präpariert und sauber geputzt, unsere HW 8. Rasch war das Schiff beladen und alles verstaut. Danach die obligatorische kurze Einweisung unseres Vercharterers. Auch der Schreibkram war flott erledigt und dann ging es hinaus zu einem kurzen Schlag auf das Pikmeer.

 

Gegen 17.00 fanden wir im Jachthafen von Grow ein feines Liegeplätzchen, machten uns landfein und kauften noch im Supermarkt die Dinge ein, an die wir trotz sorgfältiger Reisevorbereitung nicht gedacht hatten.

 

Anschließen kehrten wir beim Chinesen ein und ließen uns hier ein üppiges, exotisches Mahl servieren. Mit prall gefüllten Mägen ging es zurück an Bord, um bei einem frisch gezapften Bit noch ein paar Ründchen Skat einzulegen und so den Tag in Ruhe und Entspannung zu beschließen.

 

Samstag der 18.9.

 

Heute stand die Stadt Leeuwarden auf dem Programm. Nach einem üppigen Frühstück legten wir ab und dann ging es kurz nach 9 Uhr für etwa 1,5 Stunden Richtung Norden auf dem Princess-Margret-Kanal. Dann der Backbordschwenk auf dem gut ausgeschilderten Kanal Richtung Harlingen und nach einer guten weiteren Stunde zogen die ersten, architektonisch recht eigenwillig erscheinenden Häuser von Leeuwarden an uns vorbei. Die Einfahrt in die Stadt wurde zunächst einmal wegen der Mittagspause des Brückenwärters um eine gute halbe Stunde verzögert. Wir machten backbord fest und unser Smutje zauberte uns erst einmal einen fetten, feinen Erbseneintopf mit groben Mettwürstchen. Dann ging es weiter durch zahlreiche Brücken ins Herz von Leeuwarden, wo uns am Anfang bereits eine Jazzkappelle mit ihren gewöhnungsbedürftigen Weisen empfing. Wir machten sozusagen eine Stadtbesichtigung vom Wasser aus bevor wir sodann im Zentrum von Leeuwarden endgültig für heute längsseits festmachten .

 

Der Stadtbummel führte uns mitten in ein Musikfestival der feinsten Art. Die Straßen waren regelrecht übervölkert von Menschen und in jedweder spielte irgendeine schräge Kapelle die schrägsten Lieder. Wir bummelten ein wenig durch die Strassen und Gassen und beobachteten das bunte Treiben doch ein wenig distanziert, nicht um wirklich dazu zu gehören. Dann gegen 15.00 Uhr, wir beschlossen gerade, wieder an Bord zu gehen, verschlechterte sich das Wetter und es fing an zu regnen. Noch halbwegs trocken erreichten wir unser Schiff, legten ab um die Tagesetappe bis Akkrum in Angriff zu nehmen. Heftiger Gegenwind und Regenschauer ließen die Rückfahrt von Leeuwarden nicht gerade zum Urlaubshighlight werden und der Stundenzeiger rückte bei all dem unerbittlich nach vorne. Letztendlich waren wir froh, dass wir gegen 18.00 Uhr in den Hafen von Grow einlaufen konnten. Schnell waren die Formalitäten mit dem Hafenmeister erledigt, sie Satellitenschüssel auf ARD eingerichtet und damit war der heutige Fahrtag erst einmal zu Ende.

 

Kulinarisch beschlossen wir den Abend mit Marlene`s köstlichem Kartoffelsalat und Steaks vom Feinsten. Danach wanderten wieder einige Zwei Euro Stücke in die Kartenkasse, aus der am Schluss des Törns noch ein Abendessen im Restaurant herausspringen sollte. Neben einigen alten Schlagern aus dem CD Player lieferten dann doch noch einige Regenschauer die Begleitmusik zum heutigen, irgendwie auch gelungenen Abend.

 

Sonntag der 19.9.2004

 

Ich traute meinen Augen kaum, die etwas unruhige Nacht war erst gegen 8.30 Uhr für mich zu Ende, obwohl es am Vorabend doch gar nicht so späte geworden war. Ein Blick durch die Luke eröffnete einen strahlend blauen Himmel, der am Tag zuvor noch dem Ort Grow (ausgesprochen "Grau") alle Ehre gemacht hatte. Während meine Kameraden sich den Nachtschweiß in der Dusche vom Körper spülten, bereitete ich das Frühstück und machte gleich ein paar Filmaufnahmen. Gegen 10.30 Uhr legten wir ab und vervollständigten mit Akkrum die Etappe vom Vortag. Dann ging es über das Sneeker Meer in Richtung Süden auf dem Princess-Margret-Kanal. Die teilweise schweren Wolken vom frühen Morgen wurden mehr und mehr von einer steifen Brise über dem Wasser zerrissen. Heerscharen von Seglern bevölkerten die Binnenmeere Frieslands an diesem wunderschönen Sonntag, teils um sich in Regatten zu messen, teils aber auch nur, um das ideale Wetter für diesen herrlichen Sport auszunutzen. Wir zogen weiter Richtung Süden, unbehelligt von Brücken oder Schleusen und machten schließlich kurz vor 15.00 Uhr im Passantenhafen von Lemmer, dem Tor zum Jisselmeer fest.

 

Für den Nachmittag ist noch ein Gang ins Städtchen geplant und am Abend wartet erneut ein kulinarische Highlight auf uns, gezaubert von Berthold, unserem Smutje.

 

Anschließend soll das Skatglück wieder herausgefordert werden. Die Kasse soll schließlich am letzten Abend etwas hergeben.

 

An diesem Tag war der Skipper auf dem Zappes Stuhl, der den vorhergehenden Inhabern doch leidlich Glück gebracht hatte. Und so kam es dann auch, dass der „Zappes“ sich mit einer Anstandsrunde begnügen konnte. Über die 6 Skatspielchen wurde es dann doch noch reichlich nach Mitternacht und wir sanken in die Kissen.

 

Montag 20.9.

 

Relativ lange hielt uns der Schlaf gefangen. Gegen 8.30 Uhr begann der Skipper mit den Frühstücksvorbereitungen. Der Frühstückstisch bot das Übliche, Käse, Wurst, Eier, Schinken.

 

Mit dem Prachtwetter vom Vortag war es an diesem Montag vorbei und der Wind hatte über Nacht kräftig zugelegt. Wir diskutierten eine kleine Weile, welche Route wir nehmen sollten, denn die Alternative war, einen kleinen Schlag hinaus aufs Jisselmeer oder zurück über die Binnenmeere. Obwohl wir die Einzigen an diesem Morgen waren, wagten wir den Weg durch die Schleuse hinaus, um aber nach wenigen hundert Metern erneut in eine Schleuse einzufahren, auf den Lemstervaart Kanal. Der nun zog sich über viele Kilometer schnurgerade durch eine wenig abwechslungsreiche Landschaft. Teils blies uns der Wind kräftig entgegen, teils schob er uns mit Macht vor sich her. Unterbrochen wurde die relativ langweilige Fahrt lediglich durch zwei Schleusen, die doch einiges an Hub aufzuweisen hatten. Zu dem starken Wind, der mit 4-5 bft blies kam dann noch ein feiner, aber beständiger Regen, der die nun fälligen Manöver nicht besonders lustig werden lies.

 

Vor der Einfahrt nach Zwartsluis meisterten wir noch einen heißen Ritt über einen Teil des Zwarte Water, wo sich doch die eine oder anderen Welle bis ans Kombüsenfenster hinauf hangelte. Doch auch dieser, relativ deftige Teil der Reise ging zu Ende und wir liefen gegen 17.00 Uhr in den Passantenhaven von Zwartsluis ein. Nach mehreren Anläufen fand sich auch eine Box, in die unsere HW 8  mal eben so reinpasste. Alle Leinen waren rasch gelegt, ebenso wie der Strom. Wir lagen sicher im Hafen und der weiterhin starke Wind konnte uns nichts mehr anhaben.

 

Der Nachteil dieses Hafens ist aber einfach, dass er auf der gegenüberliegenden Seite des Kanals von der Stadt liegt, die nur mit einem Fußweg von ca. 3 Kilometern recht schwer zu erreichen war. Nach unserem ausgedehnten Spaziergang nach Lemmer gestern, verzichten wir an dem heutigen Tag auf eine Stadtbesichtigung und den Versorgungsgang, auf dem wir eigentlich hätten Brot und Zucker besorgen sollen.

 

Wenig später lief auch das Bitburger wieder und alles war in bester Ordnung.

 

Dienstag 21.9.

 

Die Nacht war recht stürmisch, wobei die Masten und Wanten, durch die der steife Westwind pfiff, ihr übriges zu dem nächtlichen Heulkonzert beigetragen haben. Gegen 8.00 Uhr bereits erreichte und der Anruf unseres Vercharterers, mit dem er uns eine erneute Sturmwarnung für diesen Tag übermittelte und uns empfahl, in Zwartsluis liegen zu bleiben. Falls wir denn doch unsere geplante Tagesetappe Blockzjil anfahren wollten, sollten wir auf jeden Fall Schleusen meiden und die Fender während der gesamten Fahrt draußen liegen lassen.

 

Wir liefen aus dem Hafen aus, beratschlagten kurz und beschlossen, am Passantenhaven von Zwartsluis, in unmittelbarer Stadtnähe wieder festzumachen und die weitere Wetterentwicklung abzuwarten. Udo lief erst einmal in die Stadt zum Bäcker um den Proviant mit Brötchen  zu komplettieren. Nach einem ausgiebigen Frühstück änderte sich das Wetter eher zum Schlechten. Der Wind legte zu und ab und zu duschte ein kräftiger Regen- teils Hagelschauer unsere HW 8.

 

Also widmeten wir uns erst einmal dem Kartenspiel und warteten ab. Gegen Mittag zauberte uns der Smutje ein deftiges Mahl, danach eine weitere Runde Skat und dank stets frisch gezapftem Bit hielt sich die Stimmung an Bord doch recht gut.

 

Am Nachmittag lugte zwischen den Wolkenfetzen, die der nach wie vor starke Wind vor sich hertrieb, doch ab und an die Sonne durch. Wir zwängten uns in unsere Allwetterjacken und machen uns auf ins Städtchen. Die Geschäftsstraße war schnell durchschritten. Im Supermarkt versorgten wir uns mit einem Vollkornbrot und dann verschwanden wir erst einmal in einer kleinen aber urgemütlichen Kneipe in Hafennähe. Sie war von oben bis unten voll gestopft mit alten Emailleschildern und allerlei maritimem Schnick-Schnack. Irgendwie aber hatte dieser Laden was und wir ließen das Grolsch ebenso wie den Bessen-Genever einfach mal laufen. Udo versuchte den Spielautomaten mit wenig Erfolg zu überlisten. Dann gesellte er sich nach einigen verlorenen Eurostückchen auch wieder zu uns. Am Ende hatten wir eine Zeche von reichlich 113 .- Euro, was in Holland bei den Preisen eigentlich keine große Kunst ist. Gegen 22.00 Uhr fanden wir auch unsere HW 8 wieder, die sich die ganze Zeit erfolgreich gegen den nach wie vor heftigen Wind gestemmt hatte. Irgendwann fielen wir dann nach noch einem guten Bit in die Kojen. Das also war der Streichtag, an dem uns der Sturm einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht hatte.

 

Mittwoch den 22.9.

 

Als wir gegen 8.00 Uhr ausgeschlafen hatten, hatte sich auch der Sturm vom Vortag schlafen gelegt. Wir legten ab und liefen Richtung Norden nach Giethorn. Heute ging es darum, die am Vortag sturmbedingt versäumten Meilen wieder aufzuholen. Daher mussten wir den eigentlich  in Blockzjil eingeplanten Stopp entfallen lassen. Vielmehr ging es erst einmal darum, angepasst an die Bedienungszeiten der Brücken bis Sloten zu kommen. Der Wind hatte sich zwar weitgehend gelegt, aber dennoch fegten teilweise noch heftige Schauer über das Friesische Tiefland. Wir hatten nunmehr auch den Außensteuerstand mit der Persenning verschlossen, so dass uns das Schietwetter eigentlich nichts mehr anhaben konnte.

 

Quasi in letzter Minute um 16.14 Uhr passierten  wir die Brücke von Echtenerbrug und hatten so noch den Ausgang zum Tjeukermeer erwischt, für das wir uns bis zum Beginn  der Bedienzeit der Folegabrücke um 17.15 Uhr genau eine Stunde Zeit lassen konnten. Das bedeutete, dass wir das Tjeukermeer mit nur 1100 U/min überqueren konnten.

 

Auf der  Querung des Princess Margret Kanals hatte Udo noch vergeblich versucht, sich mit einem deutschen Berufsschiff anzulegen. Dies führte auch dazu, dass er fast die Fahrrinne Richtung Sloten verpasste. Mit nur wenigen Zentimetern Wasser unterm Kiel, vor denen uns das Echolot lauthals warnte gelang es aber, die ausgetonnte Fahrrinne wieder zu finden und wir liefen in gemütlicher Fahrt nach etwa einer halben Stunde in Sloten ein.

 

Da unser Proviant an Bord überkomplett war, konnten wir uns den langen Gang ins Städtchen sparen. Statt dessen gab es einen deftigen Eintopf an Bord und anschließend einige weitere Ründchen Skat, dazu ein paar deftige Bits. Der Abend schien fast aus dem Ruder zu laufen, schien sich doch Bertholds Pechsträhne vom Vortag nahtlos fortsetzen zu wollen.

 

Nach dem zweiten verlorenen Spiel war er so weit, für diesen Abend aufzugeben. Danach aber drehte sich das Glück und alles lief mit wechselnd gutem Blatt einigermaßen normal.

 

Gegen 22.30 Uhr war für den Skipper der Abend gelaufen und ich verrollte mich in meinen Schlafsack. Die Jungs zauberten noch ein wenig.

 

Donnerstag den 23. 9.

 

Um 8.00 Uhr erwachte so langsam das Leben an Bord. Nach der Reihe verschwand die Crew in der hervorragenden Duschanlage. Erneut wartete ein Frühstück vom Feinsten auf uns. Danach hieß es Leinen los in Richtung Grow. Kurz nach der Hafenausfahrt kam noch eine kleine Fahrschuleinlage für Berthold, der mit dem Gedanken spielt, sich mit einigen seiner Leute aus der Firma auf einen solchen Törn zu begeben. Ihm also war es an diesem Morgen überlassen, das Ablegemanöver zu fahren. Wenig später übten wir an einem freien Steiger ein paar Anlegemanöver und das Drehen des Schiffes um 360 ° auf der Stelle oder auf dem Teller, wie es in der Seefahrersprache auch heißt. Dann übernahm der Skipper das Ruder, während der Rest der Mannschaft unter Deck das Schiff aufklarte.

 

Nach kurzer Zeit waren wir wieder auf dem Princess-Margret-Kanal und der Skipper verschwand unter Deck, um sich dem Logbuch zu widmen, während uns Udo gelassen Richtung Norden führte.

 

Grow in Sichtweite war das Mittagessen fertig und wir kreuzten noch ein wenig über das Pikmeer, um in zwei Schichten unser vorzügliches Mahl einzunehmen.

 

Gegen 14.30 Uhr machten wir dann am Steiger von GJS fest und begannen zu entladen und das Schiff aufzuklaren. Gegen 16.00 Uhr saßen wir entspannt bei unseren letzten Litern Bit Zapfbier und ließen die Reise mit einem guten Abendessen, gezaubert von unserem Smutje ausklingen.

 

Freitag der 24.9.

 

Gegen 8.00 Uhr stand unser letztes, fürstliches Frühstück auf dem Tisch. So gestärkt wurde der Rest entladen, letzte Hand an das Schiff in Sachen Sauberkeit gelegt und mit dem Vercharterer abgerechnet. Versehen mit den besten Wünschen der Familie Rienks traten wir gegen 9.30 Uhr unsere Heimreise an.

 

Um 14.00 Uhr kam Königsfeld in Sicht. Der Wagen wurde an den drei verschiedenen Stellen entladen und wir konnten pünktlich um 15.00 Uhr bei Else unsere Steaks wie bestellt verdrücken. Um 16.00 Uhr stieß der Rest der Mannschaft aus 2003 dazu und wir arbeiteten unsere übers Jahr aufgelaufenen Ründchen auf. Zwei Damen stießen noch dazu und so klang die Frieslandreise am vorletzten Arbeitstag in Königsfeld bei Else gemütlich aus.

 

 

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